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Eine Reise mit Ibn Battuta Ein Vierteljahr nach der Ausstellung Taswir beschert uns der Martin-Gropius-Bau erneut eine außerordentliche Ausstellung zum Thema Islamische Kunst. Bis zum 6. Juni sind in dem Haus an der Niederkirchnerstraße 7 in Berlin die Schätze des Aga Khan Museums mit ihren Meisterwerken der islamischen Kunst zu sehen. Ehe man in die Ausstellung geht, sollte man sich vielleicht einmal in die Rolle eines Kurators versetzen, der in Bagdad eine Ausstellung Meisterwerke der Kunst des christlichen Abendlandes realisieren soll. Da käme einiges zusammen: illuminierte Evangelien aus Irland, ein romanisches Kruzifix, der Bamberger Reiter, Bilder von Donatello und Giotto, Dürers Melancholie und eine Madonna von Riemenschneider, Botticellis Geburt der Venus und natürlich Tizian und Raffael, Cranach und Grünewald, dann Rembrandt und Rubens, Watteau und Gainsborough, schließlich Turner und Menzel, Spitzweg vielleicht, natürlich Renoir und van Gogh, Kirchner und Picasso, bis hin zu Damien Hirst und Gerhard Richter. Wüsste nun der Besucher, was die Kunst des christlichen Abendlands ausmacht? Man kann es bezweifeln, denn er hätte keinen solchen Begriff, wohl aber die Erfahrung, dass es eine wunderbar vielfältige Kunst ist, die in unterschiedlichen Zeiten und an den unterschiedlichen Orten Werke von erhebender Schönheit hervorgebracht hat. Alles beginnt mit dem Koran Gerade so ergeht es auch dem Besucher der Aga-Khan-Ausstellung, und das ist durchaus auch so gewollt. In seinem Einführungswort beklagt Prinz Aga Khan, wie wenig der Westen über die muslimische Welt mit ihrer heterogenen Geschichte, ihren unterschiedlichen Kulturen und freilich diversen Auslegungen des Islam weiß. Es gibt so wenig den Islam, wie es auch das Christentum nicht gibt. Die Ausstellung soll dazu dienen, die unterschiedlichen Kulturen besser kennen zu lernen, denn der Clash of Civilisations ist in Wirklichkeit ein Clash of Ignorance. Deshalb, so Prinz Aga Khan, ist es die maßgebliche Aufgabe einer solchen Ausstellung, Respekt und Anerkennung für die sozialen Strukturen, Werke und Glaubensvorstellungen zu fördern, welche grundlegende Bestandteile jener Gesellschaften sind, die diese Kunst hervorbrachten. Die Ausstellungsmacher führen durch die Vielfalt der islamischen Kultur, indem sie scheinbar die Reisen des Ibn Battuta (1304 – 1377) als Leitfaden nutzen. Alles beginnt mit dem Koran, dessen handschriftliche Blätter die Schönheit und stilistische Vielfalt der arabischen Kalligrafie dokumentieren. Sein Text findet sich nicht nur in den Präsentationsexemplaren in den Moscheen, sondern auch auf den unterschiedlichsten Gegenständen des Alltags, an den Außen- und Innenwänden der Moscheen, ja sogar auf Perlmuttschalen und in goldener Schrift auf einem Kastanienblatt. Buntes Bild der Hochkulturen Ibn Battuta begann seine Reisetätigkeit mit der Pilgerfahrt von seiner Heimat Tanger nach Mekka. Abbildungen der Kaaba und Schilderungen der heiligen Stätten gehören zu den wertvollen Erinnerungsstücken, die ein Hadschi von dort mit nach Hause bringt. Die Pilgerreise machte Ibn Battuta neugierig und er bereiste die gesamte islamische Welt, von Andalusien im Westen bis nach Indien und China, besuchte die Metropolen Kairo, Damaskus, Bagdad und Delhi, reiste per Schiff an den afrikanischen Küsten und durch die Inselwelt des heutigen Indonesien, folgte Karawanen ins Innere Asiens. Die Ausstellung gibt ein lebhaftes und buntes Bild der Hochkulturen dieser Länder und entfaltet den ganzen Reichtum der islamischen Kultur vor unseren Augen. Die verschlossenen Türen mit ihren unendlichen geometrischen Mustern machen aber auch heute deutlich, dass noch immer Geheimnisse bleiben und auf das Sesam öffne dich eines verständigen Beobachters warten. Die Mekka-Pilger brachten und bringen sich Erinnerungsstücke von ihrer Reise mit. Der Nicolai-Verlag hat dafür gesorgt, dass auch der Besucher der Ausstellung seine Erinnerung mit nach Hause nehmen kann. Die Schätze des Aga Khan Museums sind in einem ausführlichen Katalog versammelt, der nicht nur durch seine Bildermenge besticht, sondern auch mit seinen lesenswerten Begleittexten ein verlässlicher Führer bleibt für jeden, der sich der islamischen Kultur und Kunst nähern will. Text © Manfred Wolff Schätze des Aga Khan
Museum.
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