|
Dokumente
des Kampfs gegen die Unmenschlichkeit Im
Zuge der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht errichtete die SS
im Jahre 1940 in einer Kaserne der Stadt Oświęcim das
Konzentrationslager Auschwitz. Das sogenannte Stammlager Auschwitz war
zunächst ausschließlich ein Zwangsarbeiterlager für polnische
Widerstandskämpfer, Geistliche und Intellektuelle. Schon seit Ende 1940
wurden hier auch sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma und Häftlinge
aus anderen Ländern gefangen gehalten. Ab 1942 wurde Auschwitz zum Ort
des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit, der
Ermordung der europäischen Juden. Die Mehrheit der nach Auschwitz
deportierten Juden - ältere Männer, Frauen und Kinder, kamen
unmittelbar nach Ankunft in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau um.
Die wenigen, die als arbeitsfähig galten, wurden in unterschiedlichen
"Kommandos“, in Fabriken von Auschwitz-Monowitz sowie in den über
40 Nebenlagern zur Sklavenarbeit gezwungen. Die meisten von ihnen
starben nach kurzer Zeit an Krankheit, Hunger und Misshandlungen.
"Die Welt, in die man hineinstürzte, war nicht nur grauenvoll,
sondern darüber hinaus auch noch unentzifferbar: sie entsprach keinem
der bekannten Modelle, der Feind war draußen und zugleich drinnen, das
‚wir ‘ verlor seine Grenzen, es gab keine zwei gegnerischen
Parteien, man erkannte nicht nur eine Grenzlinie, sondern viele und
unklare, vielleicht unzählige, jeweils eine zwischen dem einen und
einem anderen“, schrieb der italienische Schriftsteller und Auschwitzhäftling
Primo Levi (1919-1987). Ende 1944 begann die SS mit der Demontage und
der Zerstörung der Gaskammern, der Krematorien sowie mit dem Verbrennen
von Dokumenten, um die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Die Häftlinge
wurden gezwungen, das Lager zu verlassen. Viele starben auf diesem
"Todesmarsch" oder wurden von der SS erschossen. Diejenigen,
die zu schwach waren und im Lager zurückgelassen wurden, sind am
27.Januar 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit worden. Am 2.Juli
1947 wurde durch ein Gesetz des Sejm, des polnischen Parlaments, auf den
erhalten gebliebenen Teilen des ehemaligen Konzentrationslagers das
Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim errichtet. Im
Jahre 1979 nahm die UNESCO diesen Ort in ihre Liste mit Objekten des
Weltkulturerbes auf.
Kunst als Lebens- und Existenzbeweis Anlässlich
des 60. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird
im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück gegenwärtig die Ausstellung "Kunst
in Auschwitz 1940 - 1945" gezeigt, die zuvor in der Stiftung Neue
Synagoge Berlin - Centrum Judaicum (25.
05. - 14. 08. 2005) präsentiert
wurde und danach im Museum der
polnischen Unabhängigkeit Łódź zu sehen sein wird. Sie
besteht aus 150 Bildern, Zeichnungen und Radierungen aus der Sammlung
des polnischen Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oświęcim,
das eine weitgehend unbekannte, umfangreiche Sammlung bildender Kunst
besitzt: 1470 Kunstwerke, die in der Zeit von 1940 bis 1945 im
Konzentrationslager Auschwitz entstanden sind. Dieser Teil der heutigen
Sammlung umfasst Stillleben, Landschaften, Karikaturen, Genreszenen und
vor allem Porträts. Das psychische und physische Leiden der Menschen
wird besonders in den Porträts - der Hauptsequenz der Ausstellung -
deutlich, ohne Terror und Gewalt direkt zu zeigen. In den Kunstwerken
sind die Menschen "anwesend", denn die Künstler geben ihnen
ihr individuelles menschliches Gesicht wieder. Diese Unmittelbarkeit
hebt die Distanz zwischen Künstler und Dargestelltem auf. Die Bilder
waren für die Künstler und für die Dargestellten elementare Lebens-
und Existenzbeweise. Die Spannung zwischen Kunst und Lageralltag bietet
eine Form der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Völkermords und
Auschwitz, die das Augenmerk auf die "Freiheit der Kunst"
lenkt. Die Objekte präsentieren sich in der Ausstellung als
authentische Dokumente der Künstler, die mit ihrer Kunst die
Unmenschlichkeit des KZ bekämpften. Eine Weile Glück "Wenn
ich nicht gemalt hätte, hätte ich Auschwitz nicht überlebt. In der
Lagermalerei fand ich nicht nur ein Dach über dem Kopf. Es regnete dort
nicht. Ich musste nicht mit der Schaufel schwer arbeiten…, aber das
wichtigste dabei war: Wenn ich malte, vergaß ich, dass ich im Lager
war, obwohl wir in ständiger Angst malten", bekannte der
Auschwitzhäftling Władysław Siwek (1907-1983). Der
Künstler Franciszek Jazwiecki (1900-1946),
ebenfalls Auschwitzhäftling, berichtete
nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: "Um
eine Weile Glück zu erringen, vor allem um zu vergessen, zeichnete ich
mit Bleistift weiter in den Lagern Porträts. Diese im Verborgenen
gemachten Porträts ließen mich vergessen, führten mich in eine andere
Welt, in meine Welt der Kunst. Dass Zeichnen mit dem Tod bestraft wurde,
nahm ich einfach nicht zur Kenntnis, nicht weil ich mutig war, sondern
weil ich die Gefahr nicht beachtete, so anziehend war es, in der eigenen
Welt zu schaffen." Von seinem Leidensgenossen Jan (Baraś)
Komski
(1915-2002) stammen folgende Worte: „Ins
Museum ging ich gelegentlich nach der Arbeit. Das ergab sich aus meiner
Vorliebe für das Zeichnen. Ich wollte auch Kameraden mit ähnlichen
Interessen treffen. Endlich erlaubte die Möglichkeit, dort, im
Lagermuseum zu malen, wenigstens für eine Weile die Grausamkeiten der
Alltagswirklichkeit zu vergessen. Im Museum herrschte eine Atmosphäre
der Freiheit; übrigens haben wir diese Atmosphäre selber
geschaffen.“
Ein
relativ sicherer Raum Im
Oktober 1941 wurde auf Weisung der SS ein Museum im Konzentrationslager
Auschwitz eingerichtet. Hier wurden Gegenstände in einer Art Kuriositätenkabinett
ausgestellt. Sie stammten von den in das Lager verschleppten Häftlingen,
denen an der "Rampe “ von Birkenau ihr gesamtes Hab und Gut
weggenommen wurde. Einige wenige Häftlinge des Stammlagers durften in
diesem Lagermuseum zusammen kommen, um künstlerisch tätig zu sein.
Dies ging auf eine Initiative des polnischen Künstlers Franciszek
Targosz zurück, der den Lagerkommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß,
für seine Idee gewinnen konnte. Targosz verstand es, geschickt zwischen
der SS und den Häftlingen zu agieren. Damit gelang es ihm, seinen
"Schützlingen “ einen relativ sicheren Raum für ihre Kunst zu
schaffen.
David
Friedmann (1983 - 1980), David
Friedmann wurde am 20.Dezember 1893 in Mährisch-Ostrau (heute Ostrava/Tschechien)
geboren. Nach einer Lehre als Schildermaler ging Friedmann im Alter von
17 Jahren nach Berlin. In seinen Aufzeichnungen nach dem Zweiten
Weltkrieg erinnert er sich an seine Zeit als Schüler von Hermann Struck
und Lovis Corinth, bei denen er Radierung, Lithographie und Malerei
studierte. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit fertigte Friedmann
von 1924 bis 1933 Porträtzeichnungen bekannter Zeitgenossen für
Berliner Zeitungen an.1919/1920 erschienen im "Illustrierten jüdischen
Witzblatt - Schlemiel" zwei seiner Lithographien. Im Jahre 1923
entstand in Mährisch-Ostrau die Serie "Das
Schachmeisterturnier", in der Friedmann die damaligen Schachgroßmeister
porträtierte. Bei der "Juryfreien Kunstschau" und der Frühjahrsausstellung
der Berliner Secession im Jahre 1925 war er mit Gemälden vertreten. Mit
der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 war es Juden
untersagt, frei künstlerisch tätig zu sein. Friedmann eröffnete
daraufhin einen Stubenmalereibetrieb. Nach dem Novemberpogrom 1938 flüchtete
Friedmann mit seiner Frau Mathilde und seiner erst wenige Monate alten
Tochter Mirjam Helene nach Prag. Er musste einen Großteil seiner Werke
in Berlin zurücklassen. Im Oktober 1941 wurde Friedmann mit seiner
Familie in das Ghetto Łódź deportiert. In einer von der
Ghetto-Verwaltung errichteten Metallwarenfabrik entwarf er Kleinschmuck
und kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände. Mit Porträtzeichnungen,
die er für die Angehörigen der Ghettoleitung anfertigte, verdiente er
den Lebensunterhalt der Familie. Ende August 1944 räumten SS-Truppen
das Ghetto Łódź. David Friedmann wurde von seiner Familie
getrennt und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Seine Frau und seine
Tochter wurden ermordet. David Friedmann wurde nach Gleiwitz I gebracht,
einem Außenlager des Konzentrationslagers Auschwitz, wo er als Maler für
das SS-Personal tätig war. David Friedmann überlebte den Todesmarsch
zum Außenlager Blechhammer in Oberschlesien, das schließlich am
25.Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde. Friedmann begab sich
in den folgenden Monaten nach Krakau, Mährisch-Ostrau und Prag in der
Hoffnung, überlebende Familienangehörige anzutreffen. Seine Suche
blieb erfolglos. In Prag lernte David Friedmann seine zukünftige Frau
Hildegard kennen, die ebenfalls eine Überlebende der Schoa war. Die
beiden flüchteten im Jahre 1949 vor den antisemitischen Übergriffen in
der Tschechoslowakei nach Israel. 1954 wanderte Friedmann mit seiner
Ehefrau und seiner 1950 geborenen Tochter Miriam in die USA aus. Er nahm
eine Stelle als Grafiker bei einer Werbeagentur an und arbeitete bis
1962 in den Niederlassungen New York, Chicago und St. Louis. Im Jahre
1960 wurde er amerikanischer Staatsbürger und amerikanisierte seinen
Nachnamen zu Friedman. David Friedman verstarb 1980 in St. Louis. In
der Serie "Because They Were Jews" ("Weil sie Juden
waren") illustriert David Friedman seine Erinnerungen an die Zeit
im Ghetto und im Konzentrationslager.19 Werke aus dieser Serie sind
heute Teil der Sammlung des Holocaust Memorial Museums in Washington D.C./USA.
Sieben Zeichnungen, die Friedmann unmittelbar nach seiner Befreiung im
Jahre 1945 anfertigte, befinden sich in den Beständen von Yad Vashem in
Jerusalem/Israel.
Mieczysław
Kościelniak (1912 - 1993), Mieczysław
Kościelniak wurde am 29.Januar 1912 in Kalisz/Kongresspolen
geboren. Aufgrund der ärmlichen Verhältnisse, in denen er aufwuchs,
konnte er keine künstlerisch-akademische Ausbildung genießen. Dennoch
besuchte er von 1936 bis 1939 Vorlesungen bei Prof. Józef Mehoffer an
der Akademie der Schönen Künste in Krakau. Darüber hinaus betätigte
Mieczysław Kościelniak sich in den frühen 1930er Jahren u.a.
als Porträtmaler im Auftrag eines Grafen und eines Bischofs. Im August
1939 wurde er von der Armee eingezogen und bei den Kämpfen in Warschau
verletzt. Nach seiner Genesung betätigte er sich unter dem Decknamen
"Zawrat" im "Verband des Bewaffneten Kampfes" in
Kalisz. Aufgrund seines Engagements im polnischen Widerstand wurde
Mieczysław Kościelniak am 3.Februar 1941 in Kalisz verhaftet
und im örtlichen Gefängnis festgehalten. Als weitere Begründung für
seine Verhaftung zog die Gestapo ein Gemälde heran, das Kościelniak
schon 1928 gemalt hatte und das die Erschießung von Polen durch
deutsche Soldaten in Kalisz im Jahre 1914 zeigte. Kościelniak wurde
zum Tode verurteilt, aufgrund des Fürsprechens seiner Schwester wurde
das Urteil jedoch nicht vollstreckt. Am 2.Mai 1941 wurde Mieczysław
Kościelniak in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Zunächst
war er in einem der härtesten Arbeitskommandos "Abbruch" tätig.
Nachdem ein SS-Offizier auf Kościelniaks künstlerische Begabung
aufmerksam wurde, konnte Kościelniak in anderen Kommandos leichtere
Arbeiten in den Vorratslagern der SS, der Lagerdruckerei und den
Deutschen Ausrüstungswerken verrichten. Text und Fotos: MD Berlin Bearbeitung: Urszula Usakowska-Wolff 19.09.2005 Kunst
in Auschwitz 1940 - 1945 Muzeum
Tradycji Niepodległościowych w Łodzi Katalog Gedenkstätte und Museum Auschwitz-Birkenau >>> |