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Puppen, Köpfe und Rebellen: Georg
Baselitz und das Handelsblatt stellen Die Eröffnung der
Ausstellung „Baselitz: Afrika-Sammlung“ in der K20 Kunstsammlung
Nordrhein-Westfallen am 6. Juni 2003 sollte eine doppelte Premiere
werden. Zum einen sollte das Düsseldorfer Publikum die Möglichkeit
haben, einen Blick auf die 130 Figuren und Kunstgegenstände aus
Zentral- und Ostafrika zu werfen, die der prominente, heute 65-jährige
deutsche Maler und Bildhauer Georg Baselitz in einem Vierteljahrhundert
zusammen getragen hat.
Den Kern seiner Kollektion, die in ihrer Gesamtheit zum ersten Mal öffentlich präsentiert wird, bilden beindruckende Stoffpuppen, Köpfe und große Holzfiguren der Volksgruppen Bembe und Teke aus der Demokratischen Republik Kongo. Es sind vor allem die Teke-Figuren, die dem Künstler besonders ans Herz gewachsen sind, denn ihre rauen, ungehobelten und archaischen Formen weisen große Ähnlichkeiten mit seinen eigenen Skulpturen auf, obwohl Georg Baselitz das vehement bestreitet. „Als ich Anfang der 1970er Jahre mit dem Sammeln afrikanischer Kunst begann, war ich noch kein Bildhauer. Eine direkte Beziehung gibt es nicht, abgucken gibt es nicht, Einflüsse gibt es nicht."
Der
Künstler und sein Blatt Zum anderen beauftragte
das Handelsblatt, Medienpartner der K20, Georg Baselitz mit der
Gestaltung einer Grafik, die pünktlich zur Eröffnung seiner
Afrika-Sammlung die Titelseite dieser führenden Wirtschaftszeitung schmücken
sollte. Baselitz erfüllte diese Aufgabe auf seine Art und fertigte -
wie er es seit über 30 Jahren zu tun pflegt
Kunst
in Zeiten der Medienpartnerschaft Die Enthüllung der innovativen Lithografie, die sich in einem wie eine Monstranz mit violetten Stoff verhüllten Glaskasten befand, erfolgte in der Pressekonferenz am 5. Juni 2003. An dem erhabenen Akt beteiligten sich der Chefredakteur des Medienpartners und der von ihm auserwählte Künstler höchst persönlich: Ein Ausdruck dessen, dass „in Zeiten, in denen Politik sich oftmals nur in erstarrten Ritualen erschöpft und die Wirtschaft nach Lösungen sucht, neue kreative Denkansätze besonders notwendig sind.“ Einen kreativen Denkansatz liefert sicherlich eine Anzeige im Handelsblatt, wo auf Georg Baselitzs Antlitz zu lesen ist, dass man ihn schon für 1,70 € kaufen kann. Auf die Frage, ob er sich vom Handelsblatt nicht instrumentalisiert fühle, antwortete der Künstler mit einem entschiedenen: „Nein.“ Und fügte hinzu: „Es ist schließlich kein Neues Deutschland.“
Verzögerte
Veränderung Im alten Deutschland
durfte die rebellische Titelseite zur Eröffnung der
Baselitz-Afrika-Sammlung leider nicht erscheinen. Der medienwirksamere
Freitod Jürgen Möllemanns stahl den Zeitungs- und Künstlermachern aus
Düsseldorf die Titel-Show. An der Schnittstelle zwischen Kunst,
Wirtschaft, Politik und Information hat die richtige Informationspolitik
immer noch das Sagen, so dass die Baselitz-Lithografie erst am Dienstag,
den 10. Juni 2003 die „kreativen Veränderungen“ in der Medienwelt
einleiten konnte.
Und wie Georg Baselitz, der aus Angst vor Krankheiten nie in Afrika war, die afrikanische Kunst für sich entdeckte, können sich alle überzeugen, die die K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfallen in Düsseldorf besuchen. Wenn sie sich an der Museumskasse mit einem Exemplar des Handelsblattes zum Preis von 1,70 € ausweisen, dürfen sie die afrikanischen Ahnen- und Grabfiguren sogar umsonst bestaunen. Umsonst, aber zum Glück nicht vergeblich, denn die Baselitz-Sammlung ist wirklich sehenswert, auch für jene, denen die kreative Marketingshow der führenden deutschen Wirtschaftszeitung entgangen ist. Text © Urszula
Usakowska-Wolff, 10.06.2003
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