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Art
a la carte Die
auf Grund der Konzeption von Anne Thurmann-Jajes und einer Gruppe von
Studenten der Universität Bremen entstandene Ausstellung des
Studienzentrums für Künstlerpublikationen im Neuen Museum Weserburg
Bremen präsentiert künstlerisch gestaltete Postkarten von mehr als 300
Akteuren, unter denen Namen wie Joseph Beuys, Christo, Jenny Holzer, Jiři
Kolář, A.R. Penck, Martin Kippenberger, Richard Long oder Wolf
Vostell auch in der internationalen bildenden Kunstszene ein hohes
Renommee aufweisen. Künstlerpostkarten, die sich seit den 60er Jahren
des 20. Jahrhunderts in Auflagen von ca. 500 Exemplaren explizit an die
Öffentlichkeit wenden, sind, so Thurmann-Jajes, Kunstwerke im
Miniaturformat von durchschnittlich 10,5 x 15 cm. Sie dürfen nicht mit
Kunstpostkarten verwechselt werden, auf denen ein beliebig ausgewähltes
Werke einer Künstlerin oder eines Künstlers reproduziert werden kann.
(S. 10) Kunst
der Kommunikation Wie
sind also Künstlerpostkarten zu definieren? Eigenständige Kunstwerke
seien es, die als Postkarten für Mitteilungen über künstlerische
Aktionen benutzt, doch von Sammlern meist als Kunstwerke gesammelt
wurden. Die Techniken und Formen, die von Künstler/innen seit den 60er
Jahren angewandt wurden, sind vielfältig: all mögliche Druckarten,
Zeichnungen mit Bleistift, Tusche, Filzstift u.a. Unter dem
Formrepertoire fallen Editionen, wie die Schachteln von Beuys, Mail
Art-Projekte oder geschlossene Konvolute von Postkarten auf.
Thurmann-Jajes stellt im Folgenden die Entwicklung der Künstlerpostkarten
wie auch deren Kontext (Künstlerbücher) dar, wobei sie auch die
Verwendung der Medien berücksichtigt. Reiner Matzker ("Die andere
Gegenwart des Anderen“) philosophiert über den Symbolgehalt der
Karte, deren kommunikative Kompetenz, in ihrer Potenz ein auf das
komplette digitale Spektrum angelegtes Medium ist (S. 23) Was sie in
dieser Funktion leisten könne und was ihr verwehrt sei, löse sich in
ihrem Andenkenscharakter fast gänzlich ein. Jedes Symbol verfüge nämlich
über diesen Charakter, soweit es als Zeichen auf einen erweiterten
Kontext verweist, auf sein Supplement. Das Andere des Symbols der
Postkarte ist also nicht lediglich die andere Seite, sondern wie beim
Geldstück oder Geldschein stehen beide Seiten für einen übergeordneten
Wert. (S. 24) Und der ästhetische Wert der Künstlerpostkarte? Sie erreichen
selten die Wertsituation von Kunstwerken. Sie verheimlichen nicht ihren
zweckgebundenen Charakter. Sie sind konzeptionell im Ansatz bereits von
einer Kunst um der Kunst willen geschieden. Ihre Kunst ist die Kunst des
Möglichen, die Kunst der Kommunikation. (S. 27f.) Bescheidene
Erkenntnis Was
aber macht eine Postkarte zu einer Künstlerpostkarte? Anne Beel kommt
nach Prüfung von mehreren solcher Künstlerprodukte (Anna Geiger
"Brasil Nativo-Alien Brasil“, 1977; Lucien Suel "Camping Le
Paradis’“, o.J.; Joan Rabascall "Oda (Freudiana) a
Barcelona“, "Sagrada Familia“, 1976; Angelika Schmidt "Triptychon
Landscape“, o.J.) zu einer bescheidenen Erkenntnis: Es wird
spielerisch, kritisch und auch provokativ mit der traditionellen
Postkarte gearbeitet … (S. 51) Julia Aksteiner setzt sich mit Mail
Art - Projekten aus Künstlerpostkarten auseinander, wobei sie am
Beispiel des Schweizer Künstlers Franz Immoos (Projekt "You and me“)
und von Patrick T. ("Famous Artist Residence Series“) aufzeigt,
wie die Zusammenarbeit zwischen Künstlern aus aller Welt funktioniert,
nachdem sie identische Karten mit der Forderung erhielten, diese an die
Künstler mit gestalterischen Motiven zurückzuschicken. Otto C. Dahms
und Martina Lienhop beschäftigen sich auf deskriptive Weise an ausgewählten
Beispielen mit Text-Bild-Relationen auf Künstlerpostkarten. Ihrem
Beitrag mangelt es wie Cordelia Martens Betrachtungen über
"Aktion, Performance, Happening als Sendung“, Christian Blehers
"Kunst als Serie“ und Verena Paulus’ "Die Postkarte als
Kunstobjekt“ an methodischen Verfahren, wie die Analyse solch
brisanter Gegenstände ansatzweise ablaufen könnte. Anregender hingegen
erweisen sich die Beiträge von Britta Schmidt über die Art der
Stempelabbildungen auf den Künstlerpostkarten und Peter Petersens
Beobachtungen "Zur politischen Funktion der Künstlerpostkarten“,
die vor allem im Hinblick auf die hintergründigen Gestaltungsarten bei
Robert Rehfeldt sicherlich zu erweitern sind. Der
die Ausstellung begleitende Katalog, mit finanzieller Unterstützung
Bremer Institutionen gedruckt, zeichnet sich sowohl durch ein lockeres
Design (Text-Bild, farbige Reproduktionen) als auch durch die
professionelles Handschrift des Buchdruckers aus. Die inhaltliche
Aufbereitung und methodische Durchdringung dieses relativ jungen
Kunstgenres bedürfen allerdings noch einer vertiefenden
Auseinandersetzung. Umso lobenswerter sind die Ergebnisse dieser
Ausstellung, an der Studenten wie auch Kunstwissenschaftler mit so viel
Engagement beteiligt waren. Text © Wolfgang Schlott
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