Chaos, Feuer und Kanonen

Bernhard Luginbühl, geb. 1929 in Bern, ist Eisenplastiker, Zeichner, Holzschneider, Kupferstecher, Radierer, Lithograph, Bildhauer, Sammler und Filmemacher. Seit 1953 widmet er sich hauptsächlich der Eisenplastik. Seit 1966 lebt und arbeitet er, unterbrochen von Aufenthalten in Hamburg und Berlin, mit seiner Familie in einem Bauernhaus in Mötschwil. Sein Lebenswerk ist im angrenzenden Park für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine Vielzahl von Ausstellungen und Verbrennungen von Luginbühls Werken waren in den vergangenen Jahren im In- und Ausland zu sehen und haben ihn zu einem der bedeutendsten Schweizer Künstler der Gegenwart gemacht.

Urszula Usakowska-Wolff: Gebührenfreie Information, 2004. © Urszula Usakowska-Wolff

Urszula Usakowska-Wolff: Gebührenfreie Information, 2004. © Urszula Usakowska-Wolff

Ein Turm für Tinguely

1957 lernte er Jean Tinguely kennen, mit dem ihn eine tiefe und produktive Freundschaft verband. Die Künstler stellten gemeinsam aus (zum Beispiel 1960 in der Kunsthalle Bern und 1979 im Städel Frankfurt) und planten, oft noch mit weiteren Künstlern, Großprojekte wie die Kulturstationen DYLABY, TILUZI (beide nicht ausgeführt), CROCRODROME (1977, Centre Georges Pompidou, Paris) oder LE CYCLOP (1969 bis 1991, Milly-la-Fôret). Eine besondere Rolle spielt in der Ausstellung aber auch die Beziehung Luginbühls zu Jean Tinguely. Es werden neben einigen Modellen ihrer Kollaborationen auch die Tinguely-Filme Luginbühls, die Briefe Tinguelys an seinen Freund und verschiedene Tinguely-Memorabilien zu sehen sein. Speziell für die Basler Ausstellung kreiert der Bildhauer einen Kanonenturm, der an das gemeinsam durchgeführte Barbara-Salutkanonenschiessen 1972 in Bern erinnert.

  Skulpturen, Altäre und Tagebücher

Die Ausstellung in Basel zeigt nun das gesamte Schaffen des vielseitigen Künstlers. Neben Groß-Eisen-Plastiken wie dem jüngsten Atlas ZWILLING, zwei BOSS-Skulpturen, SISYPHUS-SKARABÄUS oder dem ROSSALTAR sind auch seine monumentalen farbigen Holzskulpturen präsent. Die Modelle der Verbrennungen sind ebenso in die Ausstellung integriert wie die Tagebücher, in denen der Künstler täglich die großen und kleinen Ereignisse seines Lebens und der Welt protokolliert. Die Druckgraphik wie auch das zeichnerische Oeuvre begleiten die Präsentation der Skulpturen.

Kurz, LUGINBÜHL total im Museum Jean Tinguely ist ein vom Künstler selbst eingerichtetes, angerichtetes Chaos. Damit nicht genug: voraussichtlich im Februar 2004 wird eine seiner Holzskulpturen vor den Augen des Publikums verbrannt.

Quelle: Museum Jean Tinguely Basel

16.09.03

zum Tinguely Museum in Basel

Kunstmuseum Bern

21. September 2003 - 25. Januar 2004

Anlässlich der beiden Ausstellungen in Bern und Basel wird der Werkkatalog der Skulpturen von Bernhard Luginbühl erscheinen, herausgegeben vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft.

Das Museum Jean Tinguely gibt eine Neuauflage von Luginbühls seit langem vergriffener Publikation seiner „tinguelytagebücher“ heraus. 

Zur Eröffnung erscheint eine „Ouvertüre“-Ausgabe des von Bernhard und Ursi Luginbühl gestalteten Katalogbuchs (CHF 10.-). Die wesentlich erweiterte „TOTAL“-Ausgabe wird zum 31.10. im Museum Jean Tinguely präsentiertPreis 25 CHF

zu den Kunstnews

zur Ausstellung "Woldemar Winkler. Ein Lebenswerk im Daniel-Pöppelmann-Haus in Herford, 2003/2004