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Metaphern
der Ziellosigkeit
Der Ausgangspunkt für Franz Ackermanns (*1963 im österreichischen St. Veit) künstlerische Aktivitäten sind Zeichnungen, die er auf seinen Reisen in Asien oder Südamerika anfertigt. Diese Zeichnungen nennt er ‚Mental Maps‘, sie symbolisieren Orientierung in fremder, bisweilen ‚exotischer‘ Topografie oder urbanen Strukturen. Der in Berlin und Karlsruhe lebende Franz Ackermann hat seit Anfang der 1990er Jahre dieses vielschichtige Werk entwickelt, das die individuelle Erfahrung des Reisens ebenso thematisiert wie Globalisierung, Mobilität und Tourismus. Kurztrip
in die Tropen Gerne wird in den Medien das Szenario einer Welt entworfen, in der nicht nur die Informations-, Finanz- und Warenströme zwischen den urbanen Megazentren frei fließen, sondern auch die Menschen schnell und flexibel pendeln. Ein Wochenende in New York oder eine "Nacht in den Tropen“ (so der Titel einer Ausstellung Ackermanns in Basel und Nürnberg) - der schnelle Transfer an entlegene Orte der Sehnsucht ist jederzeit möglich, doch zugleich ist die vom Reisenden als authentisch erlebte Aneignung des fremden Terrains heute immer schon vorgeprägt durch die medial vermittelten Bilder und Klischees der Tourismusindustrie. Auflösung
von Raum und Zeit Analytisch
und offensiv zugleich verhandelt Franz Ackermann die Verwerfungen und
Widersprüche unserer global vernetzten Welt in seinen multimedialen
Rauminszenierungen. Aquarelle, großformatige Gemälde und Wandmalerei
in Kombination mit Fotografien, Architekturmodellen, Lichtquellen,
Printmedien und Naherholungsorte Für das Kunstmuseum Wolfsburg hat Franz Ackermann einen 40-teiligen Zeichnungszyklus konzipiert, der den Titel "Naherholungsgebiet“ trägt und der Bezug nimmt auf die Veränderungen in der Tourismusbranche nach dem 11. September 2001. Studien der Touristikunternehmen zufolge werden weniger Fernreisen unternommen und man bleibt stattdessen in heimischen Gefilden. Naherholungsgebiete können die Parks der Metropolen sein, die Wellness-Farmen im nahen Umkreis der Städte oder der Campingplatz an der Ostsee. Das Thema steht durchaus in Zusammenhang mit dem Standort des Museums. Wolfsburg ist nicht nur Ort industrieller Produktion, sondern auch Ort der Naherholung für die in der Stadt tätigen Menschen. Ackermann hat sich durch mehrere Aufenthalte in der Stadt mit dem Ort vertraut gemacht. Dekorative
Bildzonen Franz Ackermanns Bildwelt ist überaus expansiv. Ausgehend von punktartigen Zentren entwickelt sich ein dynamisches Raumgeflecht aus leuchtend satten, häufig konzentrisch angelegten Farbbändern, die sich zu ornamentalen Mustern verdichten können. Franz Ackermann fasst die Bildfläche als Energiefeld auf: Es gibt hier keinen leeren Raum, sondern nur unterschiedliche energetische Zonen. Unterscheiden kann man zwischen klaren und weniger eindeutig definierten Bildzonen, nicht aber zwischen einem klar definierten Raum und dessen Inhalt. Ackermanns Bilderwelten scheinen sich ihren Raum selber zu schaffen. VW-Copter In den unteren Ausstellungsräumen wird Franz Ackermanns Installation "Helicopter no.21 (Flucht und Befreiungsfahrzeug) gezeigt. Der Künstler hat einem alten VW 1500 in ein utopisches Reisegefährt umfunktioniert. Auf das Dach des Volkswagens werden die Rotorblätter eines alten Armeehubschraubers montiert, so dass ein skurril anmutendes Flugobjekt entsteht. Den Plan, ein Auto in einen Hubschrauber zu verwandeln, hatten Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF), die mit diesem gefangene Genossen beim Freigang aus der Haft befreien wollten. Franz Ackermann hatte durch die Lektüre des Buches „Der Baader-Meinhof-Komplex“ von Stefan Aust Kenntnis von dieser Ausbruchsidee erlangt. Temporäre Nähe Für Franz Ackermann sind seine Arbeiten "Metaphern der Ziellosigkeit" und Ausdruck der "temporären Nähe." Einige Stellen an den Wänden der Lounge des Kunstmuseums Wolfsburg, wo das "Naherholungsgebiet" gezeigt wird, bleiben vorerst halbgefüllt oder ganz leer: Dort werden während der Ausstellungsdauer Zeichnungen und Collagen mit aktuellem Bezug zum "Enthauptungsschlag" entstehen. Eine davon ziert bereits das immer noch intakte Bild-Haupt von Saddam Hussein, eine ist, wie der Künstler versichert, für Tony Blair reserviert. Text © Kunstmuseum Wolfsburg Bearbeitung und Zwischentitel: Urszula Usakowska-Wolff Franz
Ackermann:
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