So genannte Wellen und andere Phänomene des Geistes

Paweł Althamer (* 1967) und Arthur Żmijewski (* 1966) haben jeweils mit ihren zum Teil radikalen Projekten seit Ende der 1990er Jahre international Beachtung gefunden. Nach ihrem gemeinsamen Studium an der Warschauer Kunstakademie (u.a. bei dem Bildhauer Prof. Grzegorz Kowalski) ist jeder seiner eigenen Vision und Karriere gefolgt: Althamer, der an der documenta X und der 50. Biennale in Venedig teilnahm, ist konzeptueller Bildhauer und integriert u.a. Schauspieler, Obdachlose oder seinen eigenen Körper in sein Werk. Vor kurzen erhielt er den hochdotierten internationalen Kunstpreis „The Vincent“, der ihm 2004 in Maastricht übergeben wird.

Pawel Althamer. Foto: Raster, Polen

Paweł Althamer. Foto: Raster, Polen

Außergewöhnliche Schicksale

Żmijewski arbeitet als Foto- und Videokünstler, seine Motive sind Menschen mit außergewöhnlichem Schicksal, beispielsweise Behinderte. Für seinen Film ”Singing Lesson” (2002) hat er taubstumme Jugendliche eingeladen, in der Leipziger Thomaskirche eine Kantate von Bach einzustudieren. Das präzise Kammerorchester begleitet einen ungewöhnlichen Chor, dessen schiefe Töne als wundersamer Klang noch lange im Ohr bleiben. Für großes Aufsehen sorgte auch sein Video über die Ehrenkompanie der Polnischen Armee, die für den Film alle Hüllen fallen ließen und - nackt - die Absurdität des militärischen Drills vor Augen führten.

 Kunst und Alltag

Beide Künstler sind daran interessiert, reale Situationen in ihre Arbeit zu integrieren. Sie beziehen banale oder extreme Dinge des alltäglichen Lebens in ihre jeweiligen Werke ein und fokussieren die Schnittstelle von Kunst und alltäglichen Dingen und Vorgängen. "So genannte Wellen und andere Phänomene des Geistes“ zeigt die Arbeitsweise der Künstler: Artur Żmijewski examiniert, beobachtet das Verhalten seines Freundes Althamer, der durch bewusstseinserweiternde Mittel, Metaphysisches und Magisches ein inneres Ich erfährt.

Nahe und ferne Reisen

Paweł Althamer und Artur Żmijewski realisieren im Kunstverein Düsseldorf ihre erste gemeinsame Ausstellung. Seit ihrer Studienzeit stehen die beiden Künstler in engem Kontakt und konnten nun gemeinsam mit der Warschauer Stiftung Galerie Foksal ein lang angedachtes Projekt verwirklichen. Während der Vorbereitung gingen die beiden Künstler gemeinsam auf Reisen. In die Nähe, also vor Althamers eigene Haustür im Warschauer Arbeiterviertel Bródno, in einen Wald, zu einem Hypnotiseur. Andere Reisen führten sie in die Ferne: In die Wüstenlandschaft Mexikos am anderen Ende der Welt, auf der Suche nach neuen Erfahrungen und dem Verlangen, gewohnte Grenzen zu überschreiten. Vor allem die Reise in eine andere spirituelle Ebene ist Basis ihres Projekts.

Begrüßung mit Palme 

Auf der brutalistischen Betonfassade der Kunsthalle, in der sich der Kunstverein befindet, wird der Besucher von einer Juka-Palme und dem erleuchteten Metallschrift mit dem Anfang des Titels der Ausstellung  "So genannte Wellen…“ begrüßt. Im Ausstellungssaal des Kunstvereins betritt er dann den wüstenartigen Boden des transformierten Raums. Auf vier Plasma-Screens sind von Żmijewski gefilmte Videos zu sehen, in denen Althamer die Rolle seines Lebens, nämlich die des Künstlers spielt.

Wahrnehmung in Aktion 

Der real und mental Reisende erfährt sich und seine Umgebung auf merkwürdige Weise. Artur Żmijewski nimmt, wie in seinen anderen Arbeiten auch, die Rolle des Beobachters, des Verhaltensforschers ein, der ungewöhnliche Situationen provoziert und studiert. Die vier kurzen Porträtfilme zeigen Althamer in unterschiedlichen Zuständen. Der Künstler ist ein Medium: Er vermittelt uns die Intensität seiner Erfahrung: Das durch Reisen und Drogen erweiterte Bewusstsein des Künstlers ermöglicht eine andere, fremde Sicht auf die unmittelbare Umgebung. ”So genannte Wellen...” zeigt uns künstlerische Wahrnehmung in Aktion. Es sind die banalen Dinge, die die Abflugrampe für den virtuosen geistigen Flug in die Zonen von Spiritualität und Metaphysik bilden.

Quelle: Kunstverein Düsseldorf

Paweł Althamer + Artur Żmijewski

So genannte Wellen und andere Phänomene des Geistes

14.09. - 23.11.2003

Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Galerie Foksal, Warschau

Gefördert vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Revolver Verlag), mit einem Interview von Artur Żmijewski und Pawel Althamer, sowie Texten von Joanna Mytkowska, Grzegorz Kowalski und Rita Kersting (deutsch / englisch).

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zum Text über die Ausstellung "Bialy Mazur - Polnische Künstlerinnen" im Neuen Berliner Kunstverein