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Eine
Sammlung der Superlative "Zuerst war das Geld, dann kam die Sammlung“, sagt Gijs van Tuyl, der 1992 die Leitung des Kunstmuseums Wolfsburg übernahm. Als zwei Jahre später am 27. Mai das für umgerechnet 35 Millionen Euro vom Hamburger Architekten Peter Schweger gebaute Haus mit Fassaden aus Stahl und Glas und einem filigran wirkenden Dach eröffnet wurde, machte sich eine gewisse Skepsis breit, ob sich Wolfsburg, eine eher graue und langweilige Stadt im Schatten des VW-Werks als Ort der zeitgenössischen Kunst etablieren kann. Seitdem sind zehn Jahre vergangen und das Kunstmuseum Wolfsburg gehört nun zu den führenden Museen nicht nur in Norddeutschland und kann sich mit 60.000 bis zu 100.000 Tausend Besuchern im Jahr mit anderen Kunsthäusern, etwa in Berlin oder Frankfurt, durchaus messen. Gesammelte
Qualität Über die Höhe seines Ankaufetats möchte der Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, der bis Anfang der 1990er Jahre am renommierten Stedelijk Museum in Amsterdam gearbeitet hatte, lieber Stillschweigen bewahren. Doch sowohl die Quantität - über 200 Objekte als auch die Qualität der Sammlung, die er und sein Kustos Holger Broeker in den zurückliegenden zehn Jahren zusammengetragen hatten, lassen vermuten, dass es ihnen weder an Geld noch am Geschmack fehlt. Und der zehnte Geburtstag des Kunstmuseums, dessen Logo ein pinkfarbener Wal schmückt und das - am Ende der trostlosen Wolfsburger Fußgängerzone gelegen, wie ein exotisches Aquarium anmutet, bietet eine gute Gelegenheit, die Hälfte der gesammelten Schätze der Öffentlichkeit zu zeigen.
Schätze
im mittleren Alter Daran dass es Schätze sind, die ins rechte (meist künstliche) Licht gerückt wurden, lässt der englische Titel der Jubiläumsausstellung keinen Zweifel. Sie nennt sich "Treasure Island: 10 Jahre Sammlung Kunstmuseum Wolfsburg“ und verwandelt das von Gijl van Tuyl geleitete Haus in eine wahre Schatzinsel, auf der man hundert Werke und dreißig Namen entdecken und bestaunen kann, die jedes Kunstsammler- und Kunsthändlerherz höher schlagen lassen. Der Sammlungsschwerpunkt des Kunstmuseums Wolfsburg liegt auf der Arte Povera, der Concept Art und der Minimal Art, und so ist die Erkundung der Schatzinsel ein Gang durch die Kunst(richtungen) der letzten vierzig Jahre. Man begegnet alten Meistern und Meisterinnen der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts: Mario Merz, Nam June Paik, Gilbert & George, Christina Boltanski, Bruce Nauman, Lawrence Weiner, Stanley Brouwn, Cindy Sherman und trifft einige neue wieder, die sich auf dem Kunstmarkt bereits etabliert haben: Damien Hirst, Neo Rauch, Michel Majerus, Daniel Pflumm, Elisabeth Peyton, Luc Tuymans, Thomas Schütte, Jeff Wall, Andreas Gursky, Christian Jankowski, Sarah Morris und Torben Giehler. Und so wirkt die Ausstellung stellenweise seltsam erhaben und museal: eine Sammlung der Superlative, für die es bekanntlich keine Steigerung mehr gibt. Wer
jedoch vor den in Wolfsburg gesammelten Werken des dort versammelten
internationalen Kunstestablishments nicht ehrfürchtlicht erstarrt, der
kann in manchen Ecken der Schatzinsel so mache Kostbarkeiten entdecken.
Dazu gehört vor allem Gary Hill mit seiner wunderbaren Videoarbeit
"Searchlight“, die in einem schwarzen Raum in einer
Endlosschleife abgespielt wird und die dem Besucher meditative Glücksmomente
beschert. Und wer am Puls der heutigen Zeit bleiben will, der muss im
"Interior“, einer monumentalen Sound- und Videoinstallation des
Amerikaners Doug Aitken auf filzbezogenen Lautsprechern Platz nehmen.
Oder in das laute und hektische Leben von Las Vegas eintauchen, mit dem
die amerikanische Künstlerin Sarah Morris einen beachtlichen
Museumsraum füllt. Ein
bisschen Las Vegas in Wolfsburg: Das alleine ist eine Reise auf die
dortige Schatzinsel wert. 17.02.2004 Treasure Island Kunstmuseum
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