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JAMES
ROSENQUIST: RETROSPEKTIVE Seit den späten 1950er Jahren hat James Rosenquist außergewöhnliche und immer wieder faszinierende Werke kreiert. Rosenquist, der in den 1960er Jahren zusammen mit seinen Zeitgenossen Jim Dine, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg und Andy Warhol zu den führenden Vertretern der amerikanischen Pop Art zählte, benutzte die Ikonografie der Werbung und der Massenmedien, um eine Vorstellung vom modernen Leben und dem zu der Zeit vorherrschenden gesellschaftspolitischen Weltbild zu übermitteln. Rosenquist, der ursprünglich aus dem Mittleren Westen stammt und mittlerweile in New York und Florida arbeitet, hat eine typisch amerikanische Ausdrucksweise entwickelt, allerdings stellen seine Werke Kommentare zur populären Kultur dar, die er aus einer globalen Perspektive heraus vornimmt. Von seinen Anfängen als Plakatmaler bis hin zu seiner gegenwärtigen Verwendung von Techniken aus der abstrakten Malerei hat Rosenquist sein Interesse an Bildaufbau, Farbe, Linie und Form und deren Beherrschung bewiesen, womit er wiederholt das Publikum verblüfft und ganze Generationen von jungen Künstlern beeinflusst hat. Mitbegründer
der Pop Art Nun widmet ihm das Kunstmuseum Wolfsburg eine großangelegte Retrospektive, die zugleich die erste umfassende Präsentation seiner Kunst in Deutschland ist, in der 150 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Drucke und Collagen des amerikanischen Pop-Klassikers gezeigt werden. Die Bandbreite der Ausstellung James Rosenquist: Retrospektive, die über vier Jahrzehnte seines Schaffens umfasst, widmet sich sowohl dem historischen Kontext von Rosenquists frühen Pop-Werken als auch seiner anhaltende Bedeutung im Rahmen der Kunst des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Die Ausstellung beginnt mit einigen der ersten abstrakten Kunstwerke, die Rosenquist nach seiner Ankunft in New York im Jahr 1955 fertigte, als der abstrakte Expressionismus die vorherrschende künstlerische Bewegung war. Sie zeigt die stilistische Entwicklung des Künstlers in den 1960er Jahren anhand von Aufsehen erregenden Gemälden, die dazu führten, dass Rosenquist zu einem Mitbegründer der Pop Art wurde. Diese frühen Gemälde, von seinen Erfahrungen als Werbeplakat-Maler beeinflusst, waren die ersten Werke, mit denen Rosenquist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zog. Die Ausstellung geht anschließend auf Rosenquists künstlerische Laufbahn bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein, indem sie mehrere Wandgemälde des Künstlers präsentiert, die sich mit epischen Themen beschäftigen und monumentale Ausmaße aufweisen. Einer eingehenden Betrachtung von Rosenquists Werken auf Papier, die in einem engen Zusammenhang mit seinen Gemälden stehen, wurde im Rahmen der Retrospektive ebenfalls eine umfangreiche Ausstellungsfläche eingeräumt. Eine große Anzahl Collagen des Künstlers, die er als Entwürfe für seine Gemälde verwendete und die an sich eigenständige Kunstwerke sind, sind hier zum ersten Mal zu sehen und sorgen für neue Einblicke in seine Arbeitsweise. Dadurch, dass das Publikum in der Lage ist, sein Kunstschaffen als Ganzes zu betrachten, kann es anfangen, die Komplexität von Rosenquists ästhetischen und ideologischen Konzeptionen zu verstehen. Fragmentierung
und Neuanordnung James Rosenquist wurde 1933 in Grand Forks, North Dakota, geboren. Als er in der Mittelschule (7.-9. Klasse) war, erhielt er ein zeitlich befristetes Stipendium an der Minneapolis School of Art und studierte anschließend von 1952 bis 1954 Malerei an der University of Minnesota. In den Sommerferien arbeitete er als Plakatmaler und lernte von seinen Kollegen eine ganze Menge über figurative und gewerbliche Maltechniken. 1955 zog er dann nach New York, um an der Art Students League zu studieren. Er verließ die Art Students League nach einem Jahr und kehrte 1957 zur Gebrauchsmalerei zurück, als er Plakate am Times Square und in der ganzen Stadt zu malen begann. 1960 gab er die kommerzielle Werbemalerei auf und mietete ein kleines Atelier in Lower Manhattan an. Rosenquist stellte sich der vorherrschenden Strömung des Abstrakten Expressionismus entgegen und entwickelte auf diese Weise schon bald eine eigene Form des Neuen Realismus: einen Stil, der kurz darauf als Pop Art bekannt werden sollte. Genau wie andere Pop Art-Künstler übertrug Rosenquist die visuelle Sprache der Werbung und der Pop-Kultur auf den Bereich der bildenden Kunst. Indem er für eine Fragmentierung und Neuanordnung von Bildern mit überproportionalen Größen- und Maßstabsdimensionen sorgte, stellte er selbst die alltäglichsten Objekte (einen LKW-Anhänger eines Umzugsunternehmens, Spaghetti in Dosen, Blumen und Spielzeugpuppen) auf eine sehr abstrakte und provokante Art und Weise dar. Moderne
Historiengemälde Rosenquist wurde 1965 durch das überdimensionale Gemälde F-111 international bekannt. Er malte F-111, nach einem Jagdbombenflugzeug benannt, das damals gerade für den Einsatz im Vietnam-Krieg entworfen wurde, als Reaktion auf diesen Krieg und auf den militärisch-industriellen Komplex, der die in der Mitte des letzten Jahrhunderts boomende Wirtschaft Amerikas noch weiter anheizte. Es wurde als modernes Historiengemälde wahrgenommen und als Aussage gegen den Krieg betrachtet, die, was ihre Bedeutung und ihre Wirkung betraf, an Pablo Picassos Guernica (1937) heranreichte (das Werk ist in der Wolfsburger Ausstellung nicht enthalten.) In den letzten vier Jahrzehnten haben James Rosenquists Werke die Welt, in der wir leben, reflektiert. Mit Hilfe seiner einzigartigen Bildsprache hat Rosenquist moderne Fragestellungen und aktuelle Ereignisse thematisiert, sich gegen den Krieg ausgesprochen und seine Besorgnis angesichts des gesellschaftlichen, ökonomischen und umweltpolitischen Schicksals des Planeten geäußert. Zudem hat Rosenquist im Laufe seiner künstlerischen Laufbahn immer wieder durch seine Werke seine Begeisterung für den Kosmos, die Technologie und die wissenschaftliche Theorie zum Ausdruck gebracht. Der Künstler produziert auch weiterhin großformatige Auftragsarbeiten, wie z.B. das aus drei Gemälden bestehende Ensemble The Swimmer in the Econo-mist (1997–98), das die Deutsche Guggenheim in Berlin in Auftrag gegeben hatte, sowie ein Gemälde, das für die Decke des Palais de Chaillot in Paris vorgesehen ist. Zwischen
Kosmos und Erde Die
Ausstellung ist in den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss des Museums
sowohl in chronologischer als auch thematischer Anordnung ausgerichtet.
Die ersten drei Ausstellungsräume konzentrieren sich auf
Rosenquists Frühwerk aus den 1960er Jahren, wobei seine Gemälde
neben den beeindruckenden frühen Collagen und Werken auf Papier zu
sehen sind. Die Ausstellung wird mit Gemälden und Skulpturen aus den
1970er und 1980er Jahren fortgeführt. Die folgenden Räume zeigen
Rosenquists aus den 1980er und 1990er Jahren stammende Gemälde-Serien Flowers
und Welcome to the Waterplanet
sowie eine Auswahl an Werken aus den letzten 30 Jahren, die sich mit den
Themen Technologie, Raum und Kosmos beschäftigen. Im nächsten
Ausstellungsraum sind
ausgewählte Werke auf Papier zu sehen. Weitere Höhepunkte bilden
einerseits das ca. 5 x 14 m große Werk des Künstlers im Plakatformat
The Stowaway Peers Out at the Speed of Light (2000), andererseits
eines seiner neueren Werke, Brazil
(2004), das ausschließlich im Kunstmuseum Wolfsburg gezeigt wird.
Abgerundet wird die Auswahl in diesem Raum durch Rosenquists The
Swimmer in the Econo-mist (painting #1), eine Auftragsarbeit für
die Deutsche Guggenheim in Berlin. Dieses Werk, das ein Historiengemälde
für das Ende des Jahrtausends darstellt, beschäftigt sich sowohl mit
dem Zeitraum nach dem Fall der Berliner Mauer als auch mit dem damit in
Zusammenhang stehenden Zustand der globalen Ökonomie. Quelle: Kunstmuseum
Wolfsburg
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