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Femme
fatale des Art Déco Das BA-CA Kunstforum Wien präsentiert eine umfassende Ausstellung über die Malerin Tamara de Lempicka, die vor allem durch ihre Bilder, mit denen sie das Flair und den Life Style des Art Déco wie niemand anderer einfängt, bekannt geworden ist. Das Selbstporträt von 1929, das die Künstlerin in einem offenen Sportwagen zeigt, steht gleichsam als Synonym für diese Zeit. Lempickas zwischen sinnlicher Schwüle und kühler Klassizität changierende Bilder erschließen der Malereigeschichte der 1920er und 1930er Jahre eine völlig neue Dimension. Nirgendwo sonst werden Aspekte der Neuen Sachlichkeit so sinnlich-erotisch interpretiert wie in ihren Figurenbildern. Mondäne
Diva Lempicka, geboren in Polen und aufgewachsen in Sankt Petersburg, kam auf der Flucht vor der Russischen Revolution nach Paris. Erst hier, im Zentrum der Welt der Kunst, begann sie ihre Karriere, die sie binnen weniger Jahre zu einer der gefragtesten Künstlerinnen ihrer Zeit machte. Tamara de Lempicka war stolz darauf, »bereits mit 28 Jahren ihre erste Million« gemacht zu haben. Die Karriere der Malerin Lempicka ist nicht von der von ihr mitinszenierten Figur der »Femme Fatale« zu trennen: im Paris der 20er und 30er Jahre führt sie ein mondänes und von vielen Zeitgenossen als skandalös empfundenes Leben. Als »Diva« steht sie im Zentrum der Gesellschaft, als Malerin ist sie mit ihren Porträts Spiegel ihrer gesellschaftlichen Umgebung und ihrer Zeit. Einer Zeit, die von tiefer Zerrissenheit geprägt ist: einerseits von der bitteren Armut der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, andererseits vom ungeheuren technischen und wirtschaftlichen Aufschwung bis zum Börsencrash von 1929. Nach
dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geriet Lempicka allmählich in
Vergessenheit - 1939 emigriert sie in die USA, wo ihre, dem Klassizismus
der Zeit zwischen den Kriegen verhaftete Malerei, nicht mehr zeitgemäß
scheint: Die Ära des ungegenständlichen Bildes ist angebrochen, der
Abstrakte Expressionismus bestimmt die Szene. Jahrzehnte später
beginnen Sammler, zaghaft zuerst und schließlich mit großem Einsatz,
Tamara de Lempickas unvergleichliche Bilder zu umwerben. Dass ihre Akte
und Porträts heute die Salons vieler Stars des internationalen Showbiz
schmücken, ist bezeichnend für die glamouröse Qualität nicht nur der
Künstlerin, sondern auch der Frau Tamara de Lempicka. Die
Ausstellung wurde gemeinsam mit der Royal Academy of Arts in London
erarbeitet. Sie ist die erste von Museumsqualität und wurde in London
als das Ereignis der Ausstellungssaison gefeiert. Die Präsentation im
BA-CA Kunstforum eröffnet nun auch in Wien die Möglichkeit der
Begegnung mit einer der außergewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten
des zwanzigsten Jahrhunderts. TAMARA
DE LEMPICKA
Tamara de Lempicka 1898
Tamara Gorska wird in Warschau am 16. Mai im großbürgerlichen Milieu
geboren. 1911
Während einer Italien-Reise mit der Großmutter entdeckt die 13-jährige
ihre Leidenschaft für die Kunst. 1916
Gorska heiratet den jungen Anwalt Graf Tadeusz Lempicki in St.
Petersburg. 1918-23
Die Russische Revolution zwingt die Lempickis nach Paris zu emigrieren,
wo Tamara de Lempickas Tochter Kizette geboren wird. Aus
wirtschaftlicher Notwendigkeit - wie sie immer betont -, beschließt
Lempicka, ihre Passion für die Malerei zu ihrem Beruf zu machen
(Tadeusz de Lempicki gelingt es in der fremden Umgebung nicht, seinem
Beruf nachzugehen und die Familie zu erhalten). Lempicka nimmt
Privatunterricht bei Maurice Denis in der Académie Ranson und bei André
Lhote in der Académie de la Grande Chaumière. Über die Galerie
Colette Weill erhält sie Kontakte zum Salon des Indépendants und zum
Salon d’Automne, wo sie ab 1922 regelmäßig ausstellt. 1925
Durch ihre Teilnahme an der ersten Art Déco-Ausstellung in Paris
erlangt Lempicka öffentliche Anerkennung. Sie wird zu einer der
gefragtesten Porträtistinnen der Pariser High Society, deren Vertreter
sie in einer charakteristischen Stilmischung aus Postkubismus und
Neoklassizismus darstellt. Der kommerzielle Erfolg ermöglicht Lempicka
den von ihr angestrebten luxuriösen Lebensstil. Ihre erste
Einzelausstellung in der Bottega di Poesia in Mailand eröffnet ihr den
zudem Zugang zum italienischen Adel und zum internationalen Jet Set. 1926-27
In Italien lernt Lempicka den Dichter und Politiker Gabriele
d’Annunzio kennen, erwidert dessen Avancen aber nicht. Sie beginnt für
die wichtige deutsche Modezeitschrift »Die Dame« Titelillustrationen
zu entwerfen, wodurch ihre Bilder noch größere Popularität erlangen. 1928-29
Die Ehe mit Lempicki scheitert an Lempickas beruflichem Erfolg und an
zahlreichen Affären, die sie mit beiderlei Geschlecht eingeht. Auf dem
Höhepunkt ihrer Laufbahn erwirbt de Lempicka eine vom Star-Architekten
Mallet-Stevens ausgestattete ultramoderne Atelierwohnung in der Rue Méchain
29, im Pariser Stadtteil Montparnasse. Diese dient ihr gleichermaßen
als Atelier und Schauraum wie auch als Schauplatz zahlreicher
gesellschaftlicher Anlässe. 1929
begibt sich Lempicka auf ihre erste Reise in die USA, um Porträtaufträge
auszuführen. Trotz der Weltwirtschaftskrise gelingt es ihr, auch dort
eine bedeutende Klientel aufzubauen. Die
Beteiligung Lempickas an einer Ausstellung der «Femmes Artistes 1933
Tamara de Lempicka heiratet den um 20 Jahre älteren, aus einer altösterreichischen
Adelsfamilie stammenden Baron Raoul Kuffner, der seit Jahren ein
begeisterter Sammler ihrer Werke ist. 1935-37
Lempicka fällt in eine lang anhaltende Depression und zieht sich zur
Behandlung in eine schweizerische Klinik zurück. Ihre Bildproduktion
geht zurück. 1939
Das Ehepaar Kuffner zieht nach Beverly Hills in die USA, wo de Lempicka
zahlreiche Hollywood-Stars porträtiert. In New York wird ihre erste
Ausstellung in der Paul Reinhardt Gallery eröffnet. 1940-43
Lempicka engagiert sich für die Kriegshilfe. Sie hat
Einzelausstellungen bei Julian Levy in New York, in den Courvoisier
Galleries in San Francisco und im Milwaukee Art Center. 1943 übersiedelt
das Ehepaar Kuffner nach New York. 1960er
Jahre Tamara de Lempickas Malstil hat sich radikal verändert. Sie gibt
die klaren Konturen und die Lasurtechnik zugunsten einer pastosen,
aufgerauten Stofflichkeit auf. Kurzzeitig wechselt sie zur Abstraktion.
1961 findet in der Galerie Ror-Volmar in Paris eine Retrospektive statt,
die jedoch wenig Resonanz findet. Lempicka beschließt daraufhin, nicht
mehr auszustellen. Als Baron Kuffner 1962 stirbt, verkauft Lempicka die
Wohnung in New York und zieht nach Houston, in die Nähe ihrer Tochter. 1970er
Jahre Galeristen, die soeben die Galerie du Luxembourg in Paris gegründet
haben, überreden Lempicka 1972 zu einer Retrospektive. Diese bildet den
Auftakt zu ihrer Wiederentdeckung. Lempicka schenkt den französischen
Museen eine Reihe von Gemälden. Als ideale Zeugin einer Epoche
anerkannt, erweckt sie erneut die Neugier der Journalisten und
Chronisten. Ab 1978 lebt Lempicka zurückgezogen in Cuernavaca in
Mexiko. 1980
Tamara de Lempicka stirbt am 18. März in ihrem Haus Tres Bambùs in
Cuernavaca. Gemäß ihres letzten Willens wird ihre Asche über dem
Vulkan Popocatepetl ausgestreut. Tamara
de Lempicka über sich selbst »Ich
war die erste Frau, die klar und sauber malte - und darauf gründete
sich mein Erfolg. Unter hundert verschiedenen Bildern wird man meines
immer sofort erkennen. Und die Galerien fingen an, mich in den besten Räumen
auszustellen, immer im Zentrum, denn meine Malerei wirkte anziehend. Sie
war klar, sie war vollendet.« »Zu Beginn meiner Karriere sah ich mich um und erblickte überall nichts als die totale Zerstörung in der Malerei. Ich fühlte mich abgestoßen von der Banalität, in die die Kunst abgeglitten war ... Mich empörte das alles; ich war auf der Suche nach einem Metier, das nicht mehr existierte. Ich arbeitete sehr schnell und mit leichtem Pinselstrich. Mir ging es um Technik, um handwerkliches Können, um Schlichtheit und guten Geschmack. Mein Ziel: Kopiere nie. Schaffe einen neuen Stil, helle leuchtende Farben, und spüre in deinen Modellen die Eleganz auf.« »Ich
lebe ein Leben am Rande der Gesellschaft und die Regeln der
Durchschnittsgesellschaft gelten nun einmal nicht für die Außenseiter.«
Beurteilungen
über die Künstlerin zur Zeit ihres Revivals in den frühen »Stahläugige
Göttin des Automobil-Zeitalters« New York Times 1978 »Sie trägt Handschuhe und einen Helm. Sie ist unnahbar: eine kühle, irritierende Schönheit, hinter der man ein phantastisches Wesen erahnt - diese Frau ist frei«. Auto-Journal 1974 |