Es werde Licht…

Das ist eine Premiere im ehrwürdigen Bau des Pergamonmuseums: Zum ersten Mal wird mit der großen Retrospektive aus Anlass des 75. Geburtstags des Werks von Heinz Mack im Museum für Islamische Kunst ein lebender Künstler geehrt. Arbeiten aus 50 Jahren künstlerischen Schaffens sind in 13 Sälen zu sehen. Wie kein anderer hat Heinz Mack das Denken und künstlerische Schaffen des orientalischen Islam in sein Werk aufgenommen und mit den Denkweisen und der Formensprache der zeitgenössischen europäischen Kunst verbunden. Das rechtfertigt diese mutige Entscheidung.

Gebührenfreie Information, © Urszula Usakowska-Wolff

Gebührenfreie Information, © Urszula Usakowska-Wolff

Start der ZERO-Rakete

Heinz Mack, 1931 im hessischen Lollar geboren, studierte 1950 bis 1953 an der Kunstakademie in Düsseldorf und anschließend an der Universität Köln Philosophie, wo er 1957 mit dem Staatsexamen abschloss. Begegnungen mit Jean Tinguely und Yves Klein sowie ein Besuch im Atelier von Brancusi kurz nach dessen Tod waren der Ausgangspunkt seiner eigenen künstlerischen Entwicklung zu den "dynamischen Strukturen", die er in Gips- und Metallreliefs ausführte, den "Licht-Reliefs". 1957 gründete er zusammen mit Otto Piene in Düsseldorf die Gruppe ZERO. ZERO wollte die Kunst in neue Räume führen, sie nicht nur aus der Gefangenschaft der Tafelbilder befreien, sondern auch aus dem Elfenbeinturm der Bildungsbürgergesellschaft. Dazu dienten neue Materialien, neue Ausdrucksformen wie Installationen, Apparate, Aktionen, neue Realisierungsräume wie Straßen, Plätze, das Meer. Das eindrucksvollste Bild dieses Aufbruchs: der Start der ZERO-Rakete auf einer Foto-Kollage von Heinz Mack.

Unruhe der Ruhe

Heinz Mack sah sich anfangs der 60er Jahre auch in den Vereinigten Staaten um, wo in Nachfolge von Paris die neuen Maßstäbe erprobt wurden und wo er erste Erfahrungen mit neuen technischen Materialien machte. Aber hingezogen fühlte er sich zur Wüste. In den Sand- und Felswüsten Algeriens und Tunesiens verwirklichte er seine Träume vom "Sahara-Projekt", das er bereits 1959 konzipiert hatte. Große Skulpturen stehen in einem Spannungsfeld zu den Sanddünen, zu der Weite und Unberührtheit der Landschaft, die in absoluter Stille daliegt, nur vom Ton des Windes erfüllt, der sich an den Kämmen der Dünen bricht, was die wüstenwandernden Hebräer als "ruach", den Geist, erlebten. Macks Arbeiten verletzen diese Natur nicht, sie sind Gast und bestätigen die Schönheit. Wie er ehrfürchtiger Gast der Natur war, so fühlte sich Mack auch als Gast in der islamischen Kultur. Die strenge Symmetrie der Kunst, die unendliche Wiederholung des Ornaments spiegeln sich in seinen Arbeiten wider, werden aber nicht imitiert, sondern durch kreative und spontane Brüche aufgehoben. Die Unruhe der Ruhe erscheint, zeugt von der Stille, die wie in den Glasskulpturen das Material immateriell werden lässt.

Feuer, Bewegung, Licht

Der Philosoph Heinz Mack wird zu einem Künstlerbuch zum "West-östlichen Divan" inspiriert, was wiederum 2001 zu einer Einladung in das Teheraner Museum für Moderne Kunst durch den iranischen Staatspräsidenten Chamenei, ein großer Verehrer Goethes, führt. Dem folgt das Künstlerbuch "Über die Glückseligkeit und über das Licht" zu Texten des persischen Mystikers Al-Ghazali 2003. "So sehr mich die Aufforderung 'go west' inspiriert hat, so sehr zeigt mein innerer Kompass seit einiger Zeit in Richtung Osten", stellt Heinz Mack fest. Immer wieder sind es die Materialien des Anfangs, die Mack beschäftigen: Das Feuer, das seine neuesten Arbeiten aus Ton härtet, die Bewegung, die seine chromatischen Farbbilder mit Flirren erfüllt, und das Licht, das sich bricht, das den Gegenstand, der es trägt und reflektiert, auf geheimnisvolle Weise transzendiert.

Text © Manfred Wolff

Wersja polska - Polnische Fassung

Foto: Staatliche Museen zu Berlin

20.11.2006

Heinz Mack - Transit zwischen Orient und Okzident.
Faszination und Inspiration der islamischen Kultur im Werk des Künstlers.
Ein Werkaspekt 1950 - 2006
Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel - Museum für Islamische Kunst
7.10.2006 bis 21.01.2007


Mack - Transit zwischen Okzident und Orient
Faszination und Inspiration der islamischen Kultur. Ein Werk-Aspekt 1953-2006

Claus-Peter Haase (Hg.)

359 S. mit ca. 220 farb. u. 180 einf. Abb.
H 30,0 x B 24,5 cm, geb. mit Schutzumschlag
DuMont Literatur und Kunstverlag
 2006
€ 48,00 (D) / sFr. 83,00
ISBN 3832177566

 

Zur Webseite von Heinz Mack >>>

Auch Posen bekommt einen Mack

Am 23. November wird in Posen vor dem Nationalmuseum eine Stele des Mönchengladbachers Heinz Mack feierlich enthüllt. Aus diesem Anlass gab Mack eine Pressekonferenz im Polnischen Institut in Berlin. Dabei verwies er sowohl auf seine langjährigen Kontakte zu Polen, wo er bereits 1971 eine erste Ausstellung im Warschauer Museum Zachta hatte und er die Bedeutung der Kunst für die Freiheit eines Landes miterleben konnte. Zusammen mit der Kuratorin Dr. Bozena Kowalska und dem Direktor der Posener Galerie Arsenal Wojciech Makowiecki stellte er das Posener Projekt vor: Eine 16 Meter hohe Stele aus poliertem Edelstahl, die mit einer sich langsam drehenden aufgegliederten Krone das Sonnenlicht, bei Dunkelheit Licht aus Scheinwerfern reflektiert. Diese neueste Arbeit von Heinz Mack wurde nach seinen Entwürfen ausschließlich von örtlichen Werkstätten erstellt, und das „in einer wunderbaren Präzision und nicht minder wunderbaren Geschwindigkeit“.

 

Heinz Mack, 2006. Foto: Staatliche Museen zu Berlin

Heinz Mack, 2006

Macks Posener Stele wird auf Initiative des dortigen Kunstvereins Zachęta aufgestellt und zur Hälfte aus privaten Spenden finanziert. Deshalb ist es dem Künstler wichtig, eine hohe Akzeptanz für sein Werk bei der Bevölkerung zu finden und seiner Verantwortung gegenüber der Bevölkerung gerecht zu werden.

Mehr dazu >>>

Heinz Mack auf der Seite von Zachęta in Poznań (Posen) >>>

zu den Kunstnews

Weiter zum Text über die Ausstellung "Rebecca Horn. Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Filme. 1964-2006" im Martin-Gropius-Bau Berlin, 5.10.2006-15.01.2007