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Polnische
Damenwahl in Berlin Für ihre ausschließlich aus jungen Künstlerinnen bestehende Auswahl wählte die Warschauer Kuratorin, Anda Rottenberg, den metaphorischen Titel „Biały Mazur“. Er ist eine Anspielung auf eine Tradition früherer Bälle in Polen, die immer mit der feierlichen Polonaise anfingen und mit der „weißen Masurka" als letztem Tanz endeten, bei welcher die Damen endlich ihre „Träume verwirklichen“ konnten, indem sie ihren Partner selbst aussuchen durften. Mit diesem Sinnbild soll auf die noch immer existierende, ungleichberechtigte Lage der Frauen in der heutigen polnischen Gesellschaft hingewiesen werden, eine Situation, die sich auch im Kunstleben widerspiegelt. Die
Werke der neun teilnehmenden Künstlerinnen, die mit verschiedenen
Medien arbeiten, nehmen Bezug sowohl auf private als auch auf öffentlich
geäußerte Ziele des Subjekts. Sie sind häufig symbolisch oder werden
mit viel Sinn für Ironie gebrochen. Sie setzen sich mit den
gesellschaftspolitischen und kulturideologischen Veränderungen sowie
mit der Realität der zwischengeschlechtlichen und anderen
ritualisierten Umgangsformen auseinander, die den Alltag strukturieren.
Es ist nicht die unmittelbare politische Agenda einer Frauenbewegung,
die hier sichtbar wird, sondern eher eine allgemeine Kurskorrektur im
polnischen Kontext. Anda Rottenberg unterstreicht in ihrem Textbeitrag,
dass ihr Konzept nicht darauf zielt, die feministische Tradition der
siebziger Jahre weiterzuverfolgen. Es spiegelt eher die
wissenschaftlichen Ergebnisse der Geschlechterstudien des soeben
begonnenen 21. Jahrhunderts wider und zeigt die politische und soziale
Wirklichkeit Polens auf dem Weg zurück zu einer überwunden geglaubten
paternalistischen Tradition.
Positionen
einer jungen Generation Die polnischen Künstlerinnen sind immer noch weniger bekannt als ihre männlichen Kollegen. Auch aus der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ragen neben recht zahlreichen polnischen Künstlern nur zwei weibliche Namen heraus, Katarzyna Kobro und Magdalena Abakanowicz, die mit überregionaler Bekanntheit rechnen dürfen. Und aus den letzten Jahren können wir vielleicht noch Zofia Kulik und Katarzyna Kozyra zu den international wahrgenommenen polnischen Künstlerinnen zählen. Insofern möchte dieses Ausstellungsprojekt berechtigterweise - neben der notwendigen Informationspflicht über die in Berlin nicht genügend bekannte Kunstszene unseres Nachbarlandes - dieser Diskrepanz mit der Vorstellung einiger interessanter Positionen einer jungen Generation polnischer Künstlerinnen, die sich immer stärker zu Wort melden, etwas entgegen setzen. Lust
auf gute Unterhaltung Die
Kunst dieser neun polnischen Künstlerinnen zeichnet sich - laut Iza
Kowalczyk, Kunstkritikerin aus Posen und Chefredakteurin des
feministischen Internet-Kunstmagazins „artmix“ - durch Offenheit,
fehlende Komplexe und zugleich Lust auf gute Unterhaltung aus. Die Künstlerinnen
spielen mit verschiedenen Rollen, vertauschen sie, setzen Ironie und
Parodie ein, sind gegenüber sich selbst ironisch; mit gleicher Freimütigkeit
sprechen sie immer wieder davon, was weh tut, greifen Themen auf, die im
Kontext der Geschlechterproblematik oder Diskriminierung, die in Polen
immer noch nicht ganz abgebaut ist, eine überaus wesentliche Bedeutung
haben.“ Quelle: Neuer Berliner Kunstverein
Biały
Mazur - Künstlerinnen aus Polen Bogna
Burska (* 1974) • Marta Deskur (* 1962) •
Katarzyna Górna (* 1960)
• 6.
September bis 19. Oktober 2003 Kuratorin:
Anda Rottenberg, Warschau zum Preis von 15 Euro. |