Traurige Triebe

Was war das für eine Aufregung, als Bjarne Melgaard 2002 in Herford ausstellte! Die braven Herforder Bürger, noch nicht an den modernen Kunstbetrieb gewöhnt, drängelten und empörten sich, der Katalog kam auf den Index wegen Verherrlichung von Gewalt und ein Veterinär musste entscheiden, ob eine Ziege in einem Latexkostüm sich wohl fühlt oder ob das Tierquälerei ist.

Welch beschauliche Ruhe herrschte dagegen am 1. November 2008 bei der Vernissage Melgaards in der Galerie Baudach in den Berliner Osram-Höfen! Nun, die Messer sind auch kleiner geworden, die Injektionsnadeln ebenfalls, statt des Dolches herrscht das Skalpell, und von Viechereien war auch keine Spur.

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung "A Kidwhore in Manhattan - A Novel", Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

 Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung A Kidwhore in Manhattan - A Novel,
Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

Chaos, Gewalt, Exzess

A Kidwhore in Manhattan – A Novel entwickelt in einer imposanten Installation aus den Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Videos, Neon-Poems und Möbel-Design-Klassikern die Geschichte eines jugendlichen Prostituierten, die von Chaos, Gewalt, Exzess, Verletzungen und Abhängigkeiten geprägt ist. Die expressiven Gemälde zeigen die für Melgaard typischen Figuren: das Cockmonster, den Chihuahua, dieser als Symbol der Trauer und der Verletzlichkeit, jener als Ausdruck der Triebhaftigkeit, beides mit Textpassagen (Briefe? Tagebücher?) zur Geschichte verbunden.

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung "A Kidwhore in Manhattan - A Novel", Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung A Kidwhore in Manhattan - A Novel,
 Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

Die großzügigen Räume der Baudach-Galerie sind mit Designer-Möbeln bestückt, mit Tischen von Paolo Piva und Polstermöbeln von Friedrich Kiesler. Auf den Tischen liegen, scheinbar wahllos angeordnet, Zeichnungen und homoerotische Fotografien, die mit Skalpellen befestigt sind. Die Polstermöbel sind mit Stoffen bezogen, die Melgaard mit Zeichnungen, Texten und Fotos aus der Ausstellung gestaltet hat und nehmen so in einer ungewöhnlichen Form die Geschichte des Kidwhore wieder auf.

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung "A Kidwhore in Manhattan - A Novel", Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung "A Kidwhore in Manhattan - A Novel", Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung
 A Kidwhore in Manhattan - A Novel,
 Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008.
 Foto © Manfred Wolff

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung
 A Kidwhore in Manhattan - A Novel,
 Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008.
 Foto © Manfred Wolff

Hätte Melgaard vor sechs Jahren solche Sitzgelegenheiten in Herford präsentiert, wäre das Publikum der Möbelstadt, die ja im MARTa-Museum eine Verbindung von zeitgenössischer Kunst und industrieller Möbelherstellung suchte, ihm sicher geneigter begegnet.

Text und Fotos © Manfred Wolff

01.12.2008


Bjarne Melgaard
A Kidwhore in
Manhattan - A Novel
Galerie Guido W. Baudach
01. 11. - 20. 12. 2008


Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung  "A Kidwhore in Manhattan - A Novel,  Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

Bjarne Melgaard: Blick in die Ausstellung A Kidwhore in Manhattan - A Novel,
 Galerie Guido W. Baudach, Berlin, 2008. Foto © Manfred Wolff

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