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Traurige
Triebe Was
war das für eine Aufregung, als Bjarne Melgaard 2002 in Herford
ausstellte! Die braven Herforder Bürger, noch nicht an den modernen
Kunstbetrieb gewöhnt, drängelten und empörten sich, der Katalog kam
auf den Index wegen Verherrlichung von Gewalt und ein Veterinär musste
entscheiden, ob eine Ziege in einem Latexkostüm sich wohl fühlt oder
ob das Tierquälerei ist. Welch beschauliche Ruhe herrschte dagegen am 1. November 2008 bei der Vernissage Melgaards in der Galerie Baudach in den Berliner Osram-Höfen! Nun, die Messer sind auch kleiner geworden, die Injektionsnadeln ebenfalls, statt des Dolches herrscht das Skalpell, und von Viechereien war auch keine Spur.
Chaos,
Gewalt, Exzess A Kidwhore in Manhattan – A Novel entwickelt in einer imposanten Installation aus den Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Videos, Neon-Poems und Möbel-Design-Klassikern die Geschichte eines jugendlichen Prostituierten, die von Chaos, Gewalt, Exzess, Verletzungen und Abhängigkeiten geprägt ist. Die expressiven Gemälde zeigen die für Melgaard typischen Figuren: das Cockmonster, den Chihuahua, dieser als Symbol der Trauer und der Verletzlichkeit, jener als Ausdruck der Triebhaftigkeit, beides mit Textpassagen (Briefe? Tagebücher?) zur Geschichte verbunden.
Die großzügigen Räume
der Baudach-Galerie sind mit Designer-Möbeln bestückt, mit Tischen von
Paolo Piva und Polstermöbeln von Friedrich Kiesler. Auf den Tischen
liegen, scheinbar wahllos angeordnet, Zeichnungen und homoerotische
Fotografien, die mit Skalpellen befestigt sind. Die Polstermöbel sind
mit Stoffen bezogen, die Melgaard mit Zeichnungen, Texten und Fotos aus
der Ausstellung gestaltet hat und nehmen so in einer ungewöhnlichen
Form die Geschichte des Kidwhore wieder auf.
Hätte Melgaard vor
sechs Jahren solche Sitzgelegenheiten in Herford präsentiert, wäre das
Publikum der Möbelstadt, die ja im MARTa-Museum eine Verbindung von
zeitgenössischer Kunst und industrieller Möbelherstellung suchte, ihm
sicher geneigter begegnet. 01.12.2008 Bjarne
Melgaard
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