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Geheimnisvolle
Präsenz Es muss ja nicht immer der Sinn nach großer Kunst sein, der einen ins Museum führt. In meinem Falle waren es diesmal eher die Augen Audrey Hepburns, die mich wieder einmal gefangen hatten und ins Pöppelmannhaus des Herforder Kunstvereins zogen. Und das sollten sie wohl auch. Heiner Meyers Ausstellung "Stars and Passions“, die dort gegenwärtig zu sehen ist, spielt mit diesen Erinnerungen an die Idole der 1950er und 1960er Jahre. Fotos und Stills werden übermalt, in abstrakte Konfigurationen eingebunden. Da sind Marilyn und Jane, Rita und Clark, Micky und Muhammed Ali - und natürlich Audrey, immer wieder. Alle Geschichte, Teil auch unserer Lebensgeschichte, und doch - durch die Aktualisierung, die Meyer in seinen Bildern vollzieht, sind sie auf eine geheimnisvolle Weise präsent. Das geheimnisvolle Blau, das aus den Hintergründen strahlt, lässt sie zugleich entrückt und wirklich erscheinen. Durch die Verwendung der Vor-Bilder, der typischen Gesten und Attitüden der Stars erhalten sie ihre Vorbildlichkeit. Die Übermalungen sind kein Ikonoklasmus, eher eine Verherrlichung der dargestellten Personen. Elemente der Pop Art machen sie zu unseren Zeitgenossen. Der Augenblick der fotografischen Aufnahme dehnt sich in eine unbegrenzte Zukunft. Die beigegebenen Würfel beschwören die griechische Schicksalsgöttin Tyche herauf: Sind die Stars die Verkörperung eines glücklichen Zufalls? Oder sind sie ein Gegenstand des launischen Glücks, das sie schon lange verlassen hat?
Unvergängliche
Mythen Heiner Meyer (* 1953 in Bielefeld) malt mit einem schnellen Pinsel, die Arbeiten scheinen direkt von der Staffelei zu kommen. Durch die Verwendung von Schellack, mal aufgetragen, mal einfach auf das Bild gegossen, wird die Frische noch einmal potenziert. Meyer zeigt Gegenwart, keine Historienmalerei. Seine Gemälde, Collagen und Skulpturen (in denen er sich, wie der polnisch-italienische Bildhauer Igor Mitoraj, häufig der Antike zuwendet) sind ein Spiel mit Zitaten aus der Kunstgeschichte, vielschichtige Werke, wo man immer wieder etwas Neues und Überraschendes entdecken kann, was sich einem flüchtigen Blick verweigert. Dass er mit großer Präzision zu malen versteht, zeigen die Bilder des zweiten Zyklus der Ausstellung. In diese Gegenwart treten dann auch "Stars“ der Antike, Idole der Schönheit und Vollkommenheit. Venus, Apoll und Athene sind von Schmetterlingen umgeben, Symbolen der Wiedergeburt und Unsterblichkeit, Hasen, die ihnen immerwährende Fruchtbarkeit schenken. So schlägt er den Bogen über 2000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte, umgibt die antiken Schönheiten mit solchen aus anderen Kulturkreisen (z.B. aus Japan) und unserer Gegenwart. "Wenn der Maler in seinen Adaptionen griechischer Göttinnen ein stereotypes, artifizielles Schönheitsideal darstellt und bloßstellt, so verweisen die Stars dieser Werkgruppe auf die stilisierten Beauties, die für ihn die legitimen Nachfolgerinnen von Venus und Nike sind. Meyer sucht und untersucht konsequent ein Prinzip, ein Ideal, das sich im antiken Schönheitskanon ebenso findet wie im Filmidol der gerade vergangenen Zeit“, meint der Kunsthistoriker Jost Funke. Es ist eine Malerei der perfekten Übertreibung und Tarnung, die mit unseren Sehgewohnheiten spielt und zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Seins und Unvergänglichkeit der Mythen des schönen Scheins anregt. Und
Audrey Hepburn? Sie war und bleibt eben ein Ideal. Nur: nach dem Besuch
dieser wirklich sehenswerten Ausstellung weiß ich es besser. Text
© Manfred Wolff &
Urszula Usakowska-Wolff Heiner
Meyer Katalog Heiner
Meyer, 1953 in Bielefeld geboren, reiste in den siebziger Jahren unter
anderem nach London, Cadaques und New York, bevor er sein Kunststudium
an der Hochschule in Braunschweig aufnahm. 1983 hatte er bereits eine
große Einzelausstellung im Herforder Kunstverein. In den 1980er und
1990er Jahren erhielt er bedeutende Stipendien und Kunstpreise und
lehrte als Dozent in Braunschweig und Bielefeld. Heute lebt und arbeitet
er mit großem internationalen Erfolg in seiner Geburtstadt. |