Malen in Zeiten der Digitalität

Die Malerei ist seit dem Aufkommen der Fotografie immer wieder für tot erklärt worden. Ohne Erfolg. Ein Beweis dafür ist die gegenwärtige Ausstellung Painting Pictures: Malerei und Medien im digitalen Zeitalter, mit der das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt, welche Möglichkeiten der Bilderfindung die Malkunst im Zeitalter der fotografischen und digitalen Medien bereit hält. Painting Pictures geht der Frage nach, wie die Malerei es schafft, sich in Auseinandersetzungen mit den sogenannten Neuen Medien immer wieder neu zu positionieren.

Urszula Usakowska-Wolff: Gebührenfreie Information, 2004. © Urszula Usakowska-Wolff

Malerisch, pictorial. pittoresque

Gijs van Tuyl, der Direktor des Kunstmuseum Wolfsburg, sagt zu Konzept und Titelfindung der Ausstellung: “Leitmotiv der Ausstellung ist das organische beziehungsweise technische und elektronische Malen von Bildern, oder besser gesagt, von Pictures, weil in dem englischen Wort auch technische Medien wie Film und Fernsehen enthalten sind. Zusätzlich bildet Pictures auch eine Referenz zum englischen pictorial (malerisch) und sogar zum französischen pittoresque (pittoresk). Ferner spielt Painting Pictures auch auf die Differenz zwischen Gemälde/Malerei einerseits und Bild andererseits an.“  

Bilder, Fotos und Video

Malerei entsteht heute im Spannungsfeld von Fotografie und Fernsehen, Werbung, Kino und Computer. Künstler nutzen diese Medien für ihre Malerei, indem sie Medienbilder aufgreifen oder den Computer als Skizzenbuch verwenden, um sich, wie seit Jahrhunderten, ihr Bild von der Welt zu machen. Umgekehrt zitieren Künstler in Fotografie und Video Bilderzählungen und Gesten der Malerei oder arbeiten zugleich mit Malerei und Film. Malerisches Denken braucht heute nicht mehr ausschließlich in Öl auf Leinwand stattzufinden. Daher sind in Painting Pictures neben Gemälden auch Fotografien, Filme und Videoarbeiten zu sehen.

 Urbane Pop Art

Die international ausgerichtete Ausstellung widmet sich insbesondere Bildern des Urbanen und Suburbanen in der Tradition der Pop Art. Dabei spielen einige Künstler, die seit den 1960er Jahren bahnbrechend waren und für jüngere bis heute maßgeblich sind, die Rolle von geistigen Vätern. Sie sind nicht mit Werken vertreten, sondern liefern gewissermaßen die Noten für das Leitmotiv: Richard Hamilton, Martin Kippenberger, James Rosenquist, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Ed Ruscha und Andy Warhol.

  Alte und neue Meister

Die in der Ausstellung präsentierten Künstler stehen dennoch für ganz unterschiedliche Generationen. So zeigt das Kunstmuseum Werkgruppen von "Altmeistern“ wie Bill Viola (*1951) und Jeff Wall (*1946), Beispiele einer mittleren Generation wie Jeff Koons (*1955) und Andreas Gursky (*1955) und auch Jungstars wie Wolfgang Tillmans (*1968), Doug Aitken (*1968), Sarah Morris (*1967) und Elizabeth Peyton (*1965). Überdies stellt die Ausstellung Werke von Künstlern vor, die in einem internationalen Kontext bisher nur vereinzelt gezeigt worden sind wie der Thailänder Udomsak Krisanamis (*1966), die AmerikanerInnen Monique Prieto (*1962), Ingrid Calame (*1965), Brian Calvin (*1969) oder die Deutschen Torben Giehler (*1973), Eberhard Havekost (*1967) und Thomas Scheibnitz (*1968).

  Überraschende Begegnungen

Die Ausstellung Painting Pictures: Malerei und Medien im digitalen Zeitalter wurde am Kunstmuseum von Gijs van Tuyl und Annelie Lütgens konzipiert und beinhaltet ca. 100 Werke von 34 Künstlern. Gemeinsam bilden die verschiedenen malerischen Positionen in Painting Pictures ein dynamisches Flechtwerk, in welches verschiedene formal-inhaltliche Themengebiete eingewoben sind, die von den in der Ausstellung vertretenen Künstlern immer wieder variiert und ergänzt werden. So entstehen Offenheiten und Verdichtungen, die in der Ausstellung und noch einmal anders im Bildteil des Katalogs für unvorhergesehene und überraschende Begegnungen sorgen.

Text und Fotos © Kunstmuseum Wolfsburg

Bearbeitung und Zwischentitel: Urszula Usakowska-Wolff


  Painting Pictures:
Malerei und Medien im digitalen Zeitalter

Kuratoren: Annelie Lütgens, Gijs van Tuyl

Kunstmuseum Wolfsburg
01.03.2003 - 29.06.2003

  TeilnehmerInnenliste:

Franz Ackermann (*1963), Doug Aitken (*1968), Ingrid Calame (*1965),
Brian Calvin (*1969), Benjamin Edwards (*1970), Inka Essenhigh (*1969),
Torben Giehler (*1973), Andreas Gursky (*1955), Eberhard Havekost (*1967),
Gary Hume (*1962), Sarah Jones (*1959), Jeff  Koons (*1955),
Udomsak Krisanamis (*1966), Michel Majerus (*1967  † 6.11.2002),
Sarah Morris (*1967),
Takashi Murakami (*1962), Albert Oehlen (*1954),
Laura Owens (* 1970), Erik Parker (*1968), Richard Patterson (*1963),
Elizabeth Peyton (*1965), Lari Pittman (*1952),
Monique Prieto (*1962),
Fiona Rae (*1963), Michael Raedecker (*1963), David Reed (*1946),
Matthew Ritchie (*1964), Lisa Ruyter (*1968),  Thomas Scheibitz (*1968),
Wolfgang Tillmans (*1968), Fred Tomaselli (*1956), Bill Viola (*1951),
Massimo Vitali (*1944), Jeff  Wall (*1946)


Zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag ein reich bebilderter Katalog mit einem Vorwort von Gijs van Tuyl und Essays von Holger Broeker, Knut Ebeling, Annelie Lütgens, Frank Reijnders, Walter Seitter, Raimar Stange, Ludwig Seyfarth sowie Kurztexten zu den einzelnen Künstlern. 240 S., ca. 150 Abb.,  € 48,-.

A

Plakat der Ausstellung "Painting Pictures" mit dem Bild "Daisy" von Richard Patterson, 2002, Öl auf Leinwand, 315 x 234 cm

Plakat der Ausstellung "Painting Pictures" mit dem Bild "Daisy" von Richard Patterson, 2002

zur Homepage

zur Ausstellung "Monumente der Melancholie" im Kunstmuseum Wolfsburg