Ein Meister des schönen Ambientes

Dänische Kunst - das ist in Wikipedia eine Fehlanzeige. Auch auf der offiziellen Seite des dänischen Außenministeriums ist zu diesem Stichwort nicht viel zu lesen: ein paar Namen, die man noch nie gehört hat, die Skagen-Gruppe, vor langer Zeit natürlich Bertel Thorvaldsen und in der Gegenwart Per Kirkeby und Asger Jorn. Da ist das Verdienst nicht hoch genug zu schätzen, dass das Berliner Bröhan-Museum die Möglichkeit eröffnet, mit Johan Rohde eine Entdeckung zu machen, die die Lücke in der Kenntnis der europäischen Kunstszene an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert schließt.

Gebührenfreie Information. © Urszula Usakowska-Wolff

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Klassische Formen und gediegene Funktionalität

Johan Rohde (1856 - 1935) begann nach einem Medizinstudium 1881 seine künstlerische Ausbildung, verließ aber schon im nächsten Jahr die Akademie in Kopenhagen wegen unzeitgemäßen Unterrichts. Zeitlebens blieb er ein Rebell, der nach neuen Ausdrucksformen in der eher betulichen dänischen Kunstszene suchte. So blieb er nicht bei der Malerei und wandte sich der angewandten Kunst zu: Möbeln, Silberschmiedearbeiten, Gebrauchsgegenständen. Seine eleganten Möbelentwürfe, die in Handarbeit bevorzugt aus dunklen Edelhölzern wie Mahagoni in Verbindung mit hellen Holzarten wie Birke, Ulme, Zitrone und Ceylonholz gefertigt wurden, griffen einerseits auf die Stilelemente des Klassizismus und des Biedermeiers zurück, reduzierten andererseits die Form und das Ornament zugunsten der Funktionalität. Klassizistisch und funktionalistisch waren ebenfalls seine durch schlichte Formen bestechenden Silberentwürfe, die sich bis heute großer Popularität erfreuen. Mehrere Modelle, die er für die Kopenhagener Silberschmiedewerkstatt Georg Jensen fertigte, werden immer noch produziert. Die Kunst und das Handwerk der Antike waren das große Vorbild des vielseitig begabten Dänen: Seine gestalterischen Arbeiten zeichnen sich durch reine, klassisch schöne, also zeitlose Formen aus. Seine Möbel und Gebrauchsgegenstände, überwiegend Silberarbeiten, verbinden klassische Formen und gediegene Funktionalität, wie sie für das skandinavische Design des 20. Jahrhunderts stilprägend werden sollten.

Traditionelle Elemente und neue Sichtweisen

Eine schlichte und reine Formensprache ist bereits in den Bildern zu beobachten, die Johan Rohde seit Ende der 1880er Jahre malte und in denen er traditionelle Elemente mit neuen Sichtweisen verband. Besonders beeindruckend und stimmungsvoll sind seine melancholischen Flusslandschaften, die fast schon abstrakt wirken und die Einsamkeit symbolisieren. Die Begegnung mit der Antike auf Reisen nach Italien, der Besuch einer van Gogh-Ausstellung in Den Haag und die Bilder Paul Gaugins finden ihren Niederschlag in den Bildern um die Jahrhundertwende. Während die italienischen Landschaften nicht zu den stärksten Leistungen Rohdes gehören, trug er zur Erneuerung der Porträtmalerei bei, indem er die innere Befindlichkeit des Abgebildeten in den Vordergrund stellte: Es waren Konterfeis der leidenden Seele. Der Maler, Grafiker, Buchkünstler und Gestalter, aber auch Kunstkritiker und Kunstsammler Johan Rohde war ein Vorreiter und Wegbereiter der Moderne in Dänemark. Die Ausstellung im Bröhan-Museum in Berlin, in der cirka 240 Exponate: Leihgaben, vorwiegend aus dänischen und schwedischen Museen sowie von Privatsammlern, präsentiert werden, zeigt einen vielseitig begabten Ästheten und Perfektionisten, der die Idee des Gesamtkunstwerks verwirklichte, indem er auf klassische Formen zurückgriff. Er kreierte, wie wir heute sagen würden, minuziös gestylte Räume mit funktionalen Designermöbeln, Designergegenständen, passenden Bildern und schönen Accessoires, in denen sich kultivierte Menschen wohlfühlten. Johan Rohde war ein Meister des schönen Ambientes und schuf das Design für ein gehobenes Sein.

Text © Urszula Usakowska-Wolff und Manfred Wolff

17.11.2006


Johan Rohde (1856 - 1935) - ein dänischer Künstler der Moderne.
Malerei - Silber - Möbel - Buchkunst
Bröhan-Museum Berlin
26.10.2006 - 28.01.2007

Kuratorin der Ausstellung in Berlin: Dr. Ingeborg Becker


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