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Skulpturen
wirken lebendiger als Menschen Was für ein Gesicht! Von Falten gezeichnet, zerfurcht, ledern. Das Gesicht eines alten Menschen, worin die Zeit tiefe Spuren gemeißelt hat. Es ist das Porträt der Bildhauerin Louise Bourgeois (* 1911), vom französischen Fotografen Gérard Rondeau (* 1953), der seit über zwanzig Jahren mit der Tageszeitung "Le Monde" zusammenarbeitet, im März 1993 in New York aufgenommen. Meistens in schwarz-weiß porträtiert er französische und internationale Geistesgrößen: Künstlerinnen und Künstler, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Sängerinnen, Designer und Filmleute. Wenngleich die von ihm Porträtierten im Bildrahmen bleiben, fällt seine Serie "Hors cadre" programmatisch aus dem Rahmen. Es sind Aufnahmen aus französischen Museen, die sozusagen außerhalb des üblichen Rahmens entstehen: während des Ausstellungsaufbaus oder Abbaus, verpackt, in Teile zerlegt, während des Transports. Diese Bilder sind poetisch, stellenweise auch skurril und witzig, denn sie zeigen die Begegnung zwischen erhabener und zeitloser Kunst, Zeugin vergangener Zeiten und der Zeit trotzender Werte, die durch die Museumsmitarbeiter, also heutige Zeitgenossen, "entweiht", von den Wänden und den Sockeln genommen, verpackt und auf Reisen geschickt wird.
Die
Schöpfer sind erschöpft Einblicke
in die belebte und unbelebte Kunstwelt Gérard
Rondeau fotografiert Menschen und die von ihnen geschaffenen schönen,
manchmal unvergänglichen Dinge, die in Museen aufbewahrt werden. Er
gehört zu den bekanntesten französischen Fotografen, der Anfang 2007
von 3.000 französischen Journalisten zum "Künstler der
Jahres" gekürt wurde. "Ich bin ein Auftragsfotograf, das
steht jedoch nicht im Widerspruch zur künstlerischen Freiheit",
sagt er. Dass diese Aussage stimmt, belegt die Ausstellung "Gérard
Rondeau - Fotografien" im Berliner Martin-Gropius-Bau, die erste
Einzelschau dieses Künstlers in Deutschland, in Zusammenarbeit der
Berliner Festspiele mit der Französischen Botschaft und dem Institut
français in Berlin entstanden. Mit 150 vorwiegend
Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Porträt- und der "Hors
cadre"-Serie zeigt der Franzose sensible, melancholische und
häufig vom subtilen Humor durchdrungene Einblicke in die belebte und
unbelebte Kunstwelt. Zu sehen sind u.a. Porträts von Louise Bourgeois,
Georg Baselitz, Susan Sontag, Jürgen Habermas, Jacques Derrida, Jim
Jarmusch, Christo, Gilbert & George, Roy Lichtenstein, Jean Paul
Gautier und Carla Bruni. Gérard Rondeau blickt hinter die Kulissen, in
denen Menschen und Kunstwerke leben und veranschaulicht, dass das Leben
fernab der von den Medien konstruierten Wirklichkeit eine recht
unspektakuläre, vergängliche Inszenierung ist. Erhaben und profan, auf
Zeit und zeitlos: wie Kunst und Leben eben zu sein pflegen. Text © Urszula
Usakowska-Wolff 5.05.2007 Gérard
Rondeau - Fotografien Bilderschau beim Tagesspiegel >>> |