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Meisterwerke
der Lackkunst aus der Manufaktur Stobwassser Es
sind oft die kleinen Dinge des täglichen Gebrauchs, die eine vergangene
Zeit lebendig werden lassen. Sie geben Auskunft über die Freuden des
Alltags, den Lebenswandel, die Schwächen und Stärken ihrer Benutzer,
den Geist der Zeit. Einen solchen Einblick verschafft die Ausstellung "Vom
Gebrauch der Bilder. Stobwasser. Lackkunst aus Braunschweig und Berlin",
die vom 22. September bis 30. Dezember 2006 im Deutschen Historischen
Museum Berlin im Pei-Anbau des Zeughauses Unter den Linden zu sehen ist.
Gezeigt werden dort ca. 350 Exponate, vorwiegend Gegenstände des täglichen
Gebrauchs, wie sie der Adel und das gehobene Bürgertum schätzten: Möbel,
Bilder, Leuchter, Spielekästen und vor allem Schnupftabakdosen. Allen
diesen Dingen ist zweierlei gemein: ihr Material besteht vor allem aus
Papiermaché, die schmückenden Farben sind Lackmalerei. Alle
Ausstellungsstücke sind Produkte der Stobwasser-Manufaktur.
Hohe
Qualität aus Braunschweig und Berlin Johann
Heinrich Stobwasser, geboren 1740, lernte Lackarbeiten in Ansbach
kennen. Mit 17 Jahren gelang ihm eine wesentliche Verbesserung der
Lackqualität, die es ihm ermöglichte, hitze- und wasserfeste Produkte
herzustellen. 1763 wurde auf Einladung des Herzogs Carl I. in
Braunschweig die Stobwassersche Manufaktur gegründet, die auf Grund der
hohen Qualität ihrer Produkte und des weit verzweigten Vertriebssystems
schnell überörtlich bekannt wurde. Auf Ersuchen Friedrichs II. eröffnete
man 1773 in Berlin ein Zweiggeschäft mit Produktionsräumen in der
Wilhelmstraße und einem Verkaufslokal Unter den Linden, Ecke
Charlottenstraße. Die Geschäfte der Manufaktur Stobwasser gingen so
gut, dass sich bald Nachahmer einfanden gegen die man sich mit einem
eigenen Signet als Markenzeichen wehrte. Keine
Schnupftabakdose gleicht einer anderen Die
Ausstellung im Deutschen Historischen Museum präsentiert vor allem das
am weitesten verbreitete Produkt Stobwassers, die Schnupftabakdosen.
Alle sind trotz der Manufakturarbeit Unikate, keine gleicht schon in der
Form einer anderen. Das liegt an der manuellen Fertigung, wobei bis zu
40 Lagen Papier verleimt wurden. Die Papiermachétechnik hatte wie auch
bei den Möbelstücken den Vorteil, dass es sich um ein sehr leichtes
Material handelt, das leicht zu bearbeiten war und vor allem im
Gegensatz zum Holz nicht arbeitet, was der Qualität und der Beständigkeit
der Bildverzierungen zugute kam. Die Dosen wurden schwarz grundiert und
auf diesen Hintergrund die schmückenden Bilder aufgebracht. Ideale
Konversationsstücke in der Gesellschaft Um
auch bei den Bildern höchste Qualität zu erzielen, richtete Stobwasser
schon in Braunschweig eine eigene Malschule ein, in der die Maler unter
Anleitung des Landschaftsmalers Pascha Weitsch unterwiesen wurden, nach
zum Teil großformatigen Vorlagen die kleinen Miniaturen zu erstellen.
Aber auch renommierte Künstler wie Karl Friedrich Schinkel oder
Friedrich Georg Weitsch arbeiteten für Stobwasser. So war Stobwasser in
erster Linie eine "Bilderfabrik".
Die Bilder zeigen Porträts bekannter Persönlichkeiten der Zeit, religiöse
Motive, Landschaften, wichtige Ereignisse der Zeit, aber auch pikante
erotische Szenen, die im Innern der Dosen appliziert wurden. So entstand
- ganz im Geiste der Klassik - eine gelungene Verbindung des Nützlichen
mit dem Schönen. Da man die Dosen mit sich führte, waren sie in der
Gesellschaft ideale Konversationsstücke, aus deren Betrachtung sich
Gespräche über Politik, Kunst und Einstellungen zu anderen Fragen des
Alltags und gemeinsamen Interesses entwickelten. Neben den Tabaksdosen
sind auch zahlreiche andere Produkte der Stobwasser-Manufaktur zu sehen:
Tabletts, Gläserkühler, Schreibsekretäre, Trinkbecher (wegen ihrer
Leichtigkeit und Unzerbrechlichkeit vor allem für das Militär
produziert). Stobwasser war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann.
Er genoss auch das Ansehen der Gesellschaft. Schleiermacher zählt zu
seinen Freunden. Einführung
in die private Welt Gegen
Ende des 19. Jahrhunderts stellte die Firma Stobwasser ihre Produktion
ein, nachdem wohlfeile Industriemassenware den Markt überschwemmte.
1863 konnte aber noch das hundertjährige Bestehen der Firma gefeiert
werden, die zu diesem Zeitpunkt über 400 Mitarbeiter beschäftigte. Die
Stobwasser-Ausstellung des Deutschen Historischen Museums führt den
Besucher in die private Welt des Klassizismus, der Romantik und des
Biedermeier und zeugt von der erfolgreichen merkantilistischen
Wirtschaftspolitik des 18. Jahrhunderts. Text
© Manfred
Wolff 30.09.2006 Vom
Gebrauch der Bilder. |