Urszula Usakowska-Wolff  
 
Landschaften der Erinnerung

Künstlerinnen und Künstler sind Menschen, die uns helfen, die Welt mit ihren Augen zu sehen, das heißt,  jenes ans Tageslicht zu bringen, was wir häufig übersehen, sei es deshalb, weil es so offensichtlich ist, dass für uns nicht mehr sichtbar, oder so unsichtbar, dass nicht mehr offensichtlich. Sie malen uns das aus, was wir uns selbst nicht ausmalen können, nämlich dass die Vergangenheit von der Gegenwart ständig verdrängt wird und die Gegenwart fortwährend der Zukunft ausweicht, denn, wie die Lyrikerin Mascha Kalekò in einem ihrer Gedichte schrieb: "Heute ist morgen schon gestern." Gestern, heute, morgen - das sind bekanntlich die drei unterschiedlichen Zeiten, in denen wir leben und die die Existenz von uns, Irdischen,  bestimmen, die zur Ungleichzeitigkeit verurteilt sind. Im "heute" verwurzelt, sind wir zugleich im "gestern" gefangen, das unser "morgen" beeinflusst.

     

Malgorzata Dmitruk: "Vergangenheit", 2001. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Gegenwart", 2001. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Zukunft", 2001. Fot. Malgorzata Dmitruk

 


 

Wie aus der Einladungskarte leider nicht ersichtlich, habe ich die gegenwärtige Ausstellung im Stift Obernkirchen "Landschaften der Erinnerung" genannt, denn die Erinnerung ist es, die die beiden so unterschiedlichen polnischen Künstler verbindet. Sie haben heute die einmalige Gelegenheit, eine Vertreterin und einen Vertreter von zwei verschiedenen Künstlergenerationen Polens zu erleben, wobei Rafał Strent für die ältere und Małgorzata Dmitruk für die ganz junge Generation steht. Der Meister und seine Meisterschülerin stellen hier zum ersten Mal gemeinsam ihre grafischen Arbeiten aus.  

Malgorzata Dmitruk und Rafal Strent. Fot. Manfred Wolff

Rafał Strents Geburtsort befindet sich in Wolhynien, das bis zum 17. September 1939 zu Polen gehörte und als Folge des Hitler-Stalin-Paktes von der Sowjetunion annektiert wurde. Der heutige Ordinarius der Akademie der Schönen Künste in Warschau und Vorsitzende des Polnischen Künstlerverbandes kam am 1. Januar 1943 in Józefin, einem Vorort der ehemals ostpolnischen Stadt Łuck zur Welt. Zwei Jahre später, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als der siegreichen Sowjetunion Ostpolen, darunter Wolhynien und somit auch Łuck  zugesprochen wurde, war Strents Familie, wie Millionen andere Polen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Zu ihrer neuen Heimat wurden die ehemaligen deutschen Gebiete, aus denen wiederum die deutsche Bevölkerung vertrieben wurde.

Die aus Wolhynien vertriebene Familie Strent fand eine neue Bleibe im fremden Schlesien, zuerst in Breslau, das von nun an "Wrocław" heißen sollte, dann in einem ehemals deutschen Haus im niederschlesischen Greifenberg, aus dem das polnische "Gryfów" wurde. Dort, zwischen den nicht zu tilgenden Spuren und Zeugnissen des deutschen, in diesem Fall - schlesischen Lebens, wuchs der kleine Wolhynier Rafał Strent auf, der seine Heimat verließ, bevor er sie bewusst erleben und kennen lernen konnte.  

     

Rafal Strent: Haareschneiden. 1994, Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: Herz. 1992. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: Fahne. 1993.  Fot. Rafal Strent

 


 

Dass die bildende Kunst, insbesondere Malerei und altmeisterliche Zeichnung zu seiner späteren, unbestrittenen und unteilbaren Heimat werden, zeichnete sich jedoch damals noch nicht ab. Nach dem Besuch der Grundschule in Gryfów wurde Rafał Strent zum Rundfunktechniker ausgebildet, arbeitete in einem Unternehmen, das Radioempfänger und ... Panzerfunkgeräte produzierte, verdingte sich als Bau- und Eisenbahnarbeiter. Parallel dazu lernte er an einem Abendgymnasium in Legnica, dem ehemaligen Liegnitz, und spielte Banjo in einer Jazzkapelle. Um seinem Ziel, das in jener Zeit für ihn bereits fest stand, nämlich dem Studium an der Akademie der Schönen Künste in Warschau näher zu kommen, zog er in das unweit der polnischen Hauptstadt gelegene Pruszków, einen kleinen, verschlafenen Ort, der heute als Sitz der s.g. berüchtigten "Pruszkower Mafia" einige überregionale Berühmtheit erlangte. In Pruszków  machte Rafał Strent 1963 sein Abitur und begann, am dortigen Institut für Telekommunikation zu arbeiten, weil er bei der Aufnahmeprüfung zur Warschauer Kunstakademie durchfiel. Dieser Misserfolg wurde ihm mehr als reichlich belohnt, denn er lernte damals seine zukünftige Ehefrau Danuta Niebieszczańska kennen, die aus dem ehemals ostpolnischen, heute ukrainischen Drohobycz stammte und deren Mutter eine Schülerin von Bruno Schulz war. Nun konnte der künstlerischen Karriere Rafał Strents nicht mehr viel im Wege stehen, 1966 bestand er also die Aufnahmeprüfung zur Warschauer Akademie und begann sein Studium in der Abteilung für Malerei und Grafik, das er 1972 als Jahrgangsbester und mit einer Auszeichnung des Kultusministeriums absolvierte. Seitdem arbeitet er ununterbrochen an der Warschauer Akademie der Schönen Künste, zuerst als Grafikdozent, seit 1991 als Ordinarius, von 1990 bis 1996 als Dekan der Grafikfakultät. Damit nicht genug, denn vor zwei Jahren wurde er zum Vorsitzenden des Polnischen Künstlerverbandes und zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Hochschulrats gewählt und verbringt seine meiste Zeit mit der scheinbar unmöglichen Aufgabe, seine selten zufriedenen Kolleginnen und Kollegen etwas  zu befrieden und Promotionsarbeiten zu rezensieren. Ein Wunder, dass ihm noch Zeit für künstlerische Arbeit bleibt und dass deren Qualität unter der Fülle der pädagogischen, administrativen und gesellschaftlichen Aufgaben nicht leidet, vor denen Rafał Strent nie zurückschreckt. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass er Vater des 18-jährigen Łukasz ist, der am kommenden Mittwoch für ein Jahr als Austauschschüler in die Vereinigten Staaten fliegt. Er ist ferner seit bald vierzig Jahren mit derselben Danuta verheiratet, in Künstlerkreisen durchaus keine Selbstverständlichkeit.

 

Rafal Strent: Fossilien. 1993. Fot. Rafal Strent

 

Prof. Rafał Strent gehört zu den bedeutendsten polnischen zeitgenössischen Künstlern. In den letzten zwanzig Jahren nahm er an über 40 Einzel- und 200 Gruppenausstellungen in Polen und u.a. in Österreich, Luxemburg, Bulgarien, Kanada, Kuba, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Ungarn, Italien, Schweden, Portugal und den USA teil.

In Deutschland präsentierte er seine Arbeiten u.a. in Frankfurt am Main, Bonn, Lindau, Kiel, Herford, Löhne, Gronau, Castrop-Rauxel und Merzig. Er wurde mit zahlreichen polnischen und internationalen Preisen gewürdigt, u.a. erhielt er 1972 die Auszeichnung der Grafik-Biennale in Wien und 1979 den Großen Preis für zeitgenössische Kunst in Monte Carlo. Seine Radierung "Levitation" wurde von der Fürstin Gracia Patricia für die Kunstsammlung der Fürstenfamilie in Monaco erworben. Weitere Auszeichnungen wurden ihm 1982 in Paris, 1983 in Landau, 1985 bei der Internationalen Grafik-Biennale in Krakau und 1991 in Toruń (Thorn) zuteil.

Die Grafiken, Zeichnungen und Gemälde Rafał Strents, die an die Technik alter Meister erinnern, vermitteln den Eindruck, als seien sie mit der Patina der Zeit bedeckt. Seine Radierungen sind bestimmt vom Farberlebnis und narrativer Formensprache. Sie sind handkoloriert, was bedeutet, dass die Zinkplatten vor dem Druck mit Tusche oder Aquarellfarben bemalt werden. Durch diesen Einzeldruck ist also jedes Blatt ein Unikat und unwiederholbar.  

     

Rafal Strent: "Altzella", 1997. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: "Muschel", 1985. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: "Hommage a J.L", 1999. Fot. Rafal Strent

 


 

Der Künstler Rafał Strent deckt eine Wirklichkeit auf, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint. Einfache Gegenstände aus dem Alltagsleben: Körbe, Fahnen, Zuckerdosen, Stoffreste, Stühle, Türen und Tore, getrocknete Blätter oder skurrile Exponate, verschwommene Tiersymbole oder Schriftzeichen sind Sinnbilder unserer Existenz, vom Zerfall und der Vergänglichkeit gezeichnet. Strent zeigt uns, dass alles vergänglich ist, denn das menschliche Leben, die materielle Kultur und sogar die Natur hinterlassen nur wenige Spuren im Universum. Zugleich ist nichts vergänglich, denn der Zerfall hinterlässt immer Spuren, die sich zu einem neuen Ganzen zusammenfügen. In seinen sensiblen und meisterhaften Arbeiten versucht Rafał Strent, die Spuren, Fragmente und Symbole, aus denen unsere Geschichte besteht, vor dem Vergessen zu bewahren. Er ist ein Meister der Collage, denn in seine Zeichnungen und Bilder integriert er Fundstücke, vertrocknete Blumen und Blätter, alte Gardinenstoffe, Glassplitter, Fragmente kaputter, weggeworfener Gegenstände, die in seinen Werken zum neuen Leben erwachen. Er schafft eigentümliche Stillleben, Tage- und Traumbücher der vergehenden Zeit und der vergangenen Zeiten. Er geht auf alte, verlassene deutsche und jüdische Friedhöfe in Polen oder wohin ihn auch seine Reisen führen und frottiert Grabsteine oder Grabplatten in Kirchen und Klostern, die dann zu einem Bestandteil seiner Arbeiten werden. Das sind die Spuren der Vergangenheit, die von einem, der seiner eigenen beraubt wurde, festgehalten werden. Indem der Künstler die gemeinsame Vergangenheit offen legt, unabhängig vom Ort, an dem er sie aufspürt, wird er zum Hüter des kollektiven Gedächtnisses. Die meisterhaften Exponate des Künstlers sind eine Art Brief an das Publikum, dessen Appelle, sanfte ironischen Anmerkungen, subtile erotische Anspielungen, gedankliche Exkurse und sachliche Beschreibungen den „Leser“ in den Bann ziehen. “Warum sind wir auf dieser Welt?“, fragt Rafał Strent. “Warum bauen, malen, zerstören, lieben und kämpfen wir? Vielleicht sollten wir versuchen, die Welt, die sich in unserer Reichweite befindet, etwas besser, etwas menschlicher zu gestalten.“  

     

Rafal Strent: Engel. 1994. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: "Tafeln", 1996. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent:Tetragramm.1994. Fot. Rafal Strent

 


 

Der bildnerischen Gestaltung der Welt, die sich in ihrer Reichweite befindet, widmet sich auch Małgorzata Dmitruk, eine Meisterschülerin Rafał Strents, deren Lithografien sie heute bewundern können.

Sie ist ebenfalls eine Pendlerin zwischen “gestern“ und „heute“, zwischen den Kulturen, zwischen Warschau und Minsk und Bielsk Podlaski, also zwischen dem Stadt- und dem Landleben, in dem das “heute“ unübersehbare und untilgbare Spuren hinterlässt. Sie wurde am 17. Juni 1974 in der ostpolnischen Ortschaft  Bielsk Podlaski in einer weißrussischen Familie geboren. 1993 begann sie ihr Studium an der Grafikabteilung der Kunstakademie in Minsk (Weißrussland). 1995 setzte sie das Studium der Grafik und Malerei an der Warschauer Akademie der Schönen Künste fort, die sie 1999 als Jahrgangsbeste absolvierte. Seit 1995 arbeitet sie in einer experimentellen Grafikwerkstatt in Minsk. Neben Grafik und Malerei befasst sie sich mit Bildweberei, Illustration und Modedesign und neulich auch mit der Gestaltung von künstlerischen ... Haarschnitten.

Małgorzata Dmitruk gehört zu den bedeutendsten jungen polnischen Künstlerinnen. Sie nahm an sechs Einzel- und über zwanzig Gruppenausstellungen in Polen, Deutschland, Russland, Weißrussland, Lettland und der Slowakei teil. Seit 1997 wurde sie mit  zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter wiederholt mit dem ersten Preis des Wettbewerbs "Warschauer Grafik."  

Malgorzata Dmitruk: "Gesellschaftliches Leben", 2000. Fot. Malgorzata Dmitruk

Małgorzata Dmitruks Lithografien erzählen von ihrer ostpolnischen Heimat, in der katholische und orthodoxe Kirchen nebeneinander stehen, wo früher Synagogen und Moscheen zum Dorfbild gehörten. Diese dörflichen Gemeinschaften, in denen die Zeit  stehen geblieben ist, leben am Rande der heutigen schnelllebigen Welt, und sind zum Sterben verurteilt. Małgorzata Dmitruk stellt sie so dar, wie sie ihr überliefert wurden und wie sie sie zum Teil noch als Kind erlebt hat. Sie tut das in einer scheinbar naiven Zeichnung,  auf wenige Farben und Formen reduziert. Doch gerade deshalb entsteht ein um so bunteres Bild dieser Welt, in dem sie uns an den Höhen und Tiefen des Lebens, an Liebe und Tod, an Glück und Trauer, Hoffnung und Zufriedenheit teilnehmen lässt. Von der Kunstkritik in Polen wird Małgorzata Dmitruk, die an eine Figur von Mondigliani erinnert, als "Chagalls Enkelin" gefeiert, denn Erinnerung und Bewahrung sind wie bei ihm ihr Thema. Ihre märchenhaften Bilder sind melancholisch und nostalgisch, manchmal mit einer Prise Humor. Sie malt die vergessenen und verlassenen ostpolnischen Dörfer, von Polen, Weißrussen, Ukrainern und Tataren bewohnt, und rettet sie somit vor dem Vergessen. Und sie zeigt uns, dass die Vergänglichkeit unvergänglich ist. Die Simplizität, mit der Małgorzata Dmitruk die großen Themen unseres Lebens: Liebe, Glauben, Verlust und Tod darstellt, ist überwältigend. “Die Vergangenheit“ -  ist das Porträt ihrer Mutter und ihrer Tante als kleine Mädchen, “Die Gegenwart“ - das Bild der beiden in die Jahre gekommenen Frauen und “Die Zukunft“  sind nur noch zwei leere Stühle an der Wand. Dazwischen geht das „gesellschaftliche Leben“ der Dorfbewohner, also der „Hiesigen“ scheinbar unverädert weiter. Sie treffen sich vor ihren Häusern zu einem Plauderstündchen. Sie arbeiten, heiraten und tanzen. Sie sitzen an einem üppig gedeckten Hochzeitstisch, dann treffen sie sich an demselben Tisch zum Leichenschmaus. Kein “Creutzfeld“, sondern der Hirte “Jakob“ spielt für seine Kühe auf der Flöte. “Grabarka“, der Wallfahrtsort der Griechisch-Orthodoxen in Polen, ist das Gesicht einer im Gebet vertieften alten Frau, das jedoch streng und verbittert aus der Menge ragt. Eine Serie der Lithografien von Małgorzata Dmitruk heißt “Vegetation“, ein Titel, der eigentlich für das üppige Wachstum und die Unvergänglichkeit der Natur steht.  

Malgorzata Dmitruk: "Vegetation 1", 2000. Fot. Malgorzata Dmitruk

Doch auf den Bildern sehen wir altersschwache Holzhäuser, die zum Teil auf dem Kopf stehen; eine alte Frau sitzt im Fenster und ein alter Mann schreitet zwischen endlosen Feldern seinem Ende entgegen. Eine andere Serie der Lithografien der jungen Künstlerin heißt “Zapiski“, was „Notizen“ bedeutet. Es sind Bilder von Begräbnissen: ein Pferd zieht einen Leichenwagen, hinter dem die Trauernden ziehen. Die letzte Ruhestätte des Verstorbenen schmücken rote Blumen. Mit den Toten sterben auch ihre Häuser, und die verwaisten ostpolnischen Dörfer, in denen nur noch alte Leute, wie in dem Bild “Warten“, ihrem Ende entgegen sehen, gehören bald der Vergangenheit an. Vielleicht besinnen sich irgendwann die Kinder derer, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft in die Städte gezogen sind, ihrer ländlichen Vergangenheit und bauen die zerfallenen Hüten ihrer Großeltern in schicke Wochenendhäuser um.  

Malgorzata Dmitruk: "Warten", 2001. Fot. Malgorzata Dmitruk

Rafał Strent hat seine Heimat als Folge des zweiten Weltkrieges verloren, Małgorzata Dmitruk wird sie auch bald verlieren, denn die dörflichen Gemeinschaften, unabhängig davon, ob sie aus Weißrussen, Polen, Russen, Ukrainern oder Tataren bestehen, sind in unserer auf Effizienz und landwirtschaftliche Massenproduktion ausgerichteten Zeit, zum leisen, kaum wahrgenommenen  Untergang verurteilt. Rafał Strent und Małgorzata Dmitruk versuchen also, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln der Kunst die Erinnerung an ihre Heimat zu bewahren und weiter zu geben.  

   

Malgorzata Dmitruk: "Landwirtschaft", 1999. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Vegetation", 2000. Fot. Malgorzata Dmitruk

 


Und was Kunst in diesem Zusammenhang bedeutet, veranschaulicht das Gedicht “Jest i tym“ (“Sie ist auch das“) der 1921 geborenen, polnischen Lyrikerin Julia Hartwig, das ich extra für die heutige Ausstellung übersetzt habe:  


Julia Hartwig

Jest i tym

Sztuka jest zaklinaniem istnienia

żeby przetrwało

ale jej przestrzeń rozciąga się na niewidzialne

I jest inteligencją która żywioły skłócone

zjednuje podobieństwem

jest rzeczą dzielną

bo sztuka nieśmiertelności

będąc - jak wszystko - śmiertelną


© Julia Hartwig


Julia Hartwig

 Sie ist auch das

Kunst ist Beschwörung des Seins

dass es immer währt

aber ihr Bereich erstreckt sich auf das Unsichtbare

Kunst ist auch Intelligenz deren zerstrittene Elemente

sie durch Ähnlichkeit befriedet

sie ist eine tapfere Sache

denn die Kunst der Unsterblichkeit

ist - wie alles - eine Sterbliche


Deutsche Übersetzung © Urszula Usakowska-Wolff

 

 

Text © Urszula Usakowska-Wolff, 2002

"Landschaften der Erinerung",  7. - 24.08. 2002 im Stift Obernkirchen, Veranstalter "Treff im Stift"  

     

Werner Hobein, Vorsitzender der Vereins "Treff im Stift" in Obernkirchen und Urszula Usakowska-Wolff. Fot. Manfred Wolff

Witold Krzesinski, Konsul der Republik Polen in Hamburg. Fot. Manfred Wolff

Malgorzata Dmitruk, Witold Krzesinki, Urszula Usakowska-Wolff und Rafal Strent. Fot. Manfred Wolff

     

Malgorzata Dmitruk: "Hoffnung", 2000. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Ostern", 2000. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Gottesdienst", 2000. Fot. Malgorzata Dmitruk

 

orwell

 

Rafal Strent: "Traumbuch", 1978. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: "Der falsche Gott", 1984. Fot. Rafal Strent

Rafal Strent: "Menorah", 1993. Fot. Rafal Strent

 

 

 

Malgorzata Dmitruk: "Gehen", 2001. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Gehen 1", 2001. Fot. Malgorzata Dmitruk

Malgorzata Dmitruk: "Begräbnis", 1999. Fot. Maögorzata Dmitruk

     

zur Ausstellung von Ed Ruscha im Kunstmuseum Wolfsburg, 2002