Mit LOVE im Kern

Das Kunstmuseum Wolfsburg lädt zum zweiten Spaziergang durch die Schweizer Kunstwelt ein, und wie schon im ersten Teil der Ausstellung „Swiss Made – Präzision und Wahnsinn“ werden Klassiker zeitgenössischen Künstlern gegenübergestellt. Man durchschreitet leicht abgedunkelte Räume, die den Videoprojektionen zur Geltung verhelfen, helle Hallen für Bilder, wandelt zwischen Videoabspielgeräten  auf eine großformatige Installation zu und gelangt schließlich in eine große Halle, die ein manischer Handwerker gerade verlassen zu haben scheint.

Thomas Hirschhorn und die Fragmente seiner Installation im Kunstmuseum Wolfsburg, 7.07.07. Foto © Manfred Wolff

Thomas Hirschhorn: Fragmente seiner Installation im Kunstmuseum Wolfsburg. 7.07.07. Foto © Manfred Wolff

Thomas Hirschhorn und die Fragmente seiner Installation im Kunstmuseum Wolfsburg.
Foto © Manfred Wolff

Der befreite Holzfäller

Thomas Hirschhorn will Hodlers „Holzfäller“ aus der Umklammerung durch einen rechtspopulistischen Bundesrat befreien und wieder in die Kunst zurückführen. Äxte, ins Riesenhafte gesteigert, lehnen an der Wand, Schaufensterpuppen sind mit gefährlichen Werkzeugen geschmückt, Holzklötze mit Zimmermannsnägeln gespickt, Legosteine formen sich zum Maschinengewehr, Baumscheiben legen ihren Kern offen: LOVE. Das alles ist um Hodlers Bild aufgebaut und soll nationalistisches Protzen und selbstgenügsame Arroganz decouvrieren. Schließlich ist Hirschhorn Demokrat und guter Nachbar, weshalb er nichts gegen Künstler hat, die neben seiner Arbeit ausgestellt werden.

Sylvie Fleury: (Gold) Fountain PKW, 2003, vergoldet, Ed 5. Foto © Manfred Wolff

Sylvie Fleury: (Gold) Fountain PKW, 2003, vergoldet, Ed 5. Foto © Manfred Wolff

Die bepelzte Rakete

Auch was sonst so an Neuem zu sehen ist, überzeugt nur bedingt. Die bepelzte Rakete der Zufallskünstlerin Sylvie Fleury beeindruckt nicht, wenn man die Pelztasse der deutsch-schweizerischen Künstlerin Meret Oppenheim, die leider in der Ausstellung fehlt, kennt. Netzhammers handwerklich geschickte Figurenspiele erzeugen keine wirkliche Spannung, Silvia Bächlins Zeichnungen sind technisch interessant gemacht, kommen einem aber irgendwie bekannt vor. Die Schweiz ist eben doch nur ein kleines Land, das nicht so ein weites Feld neuer Formen hervorbringt. Dass Markus Brüderlin seine schweizerische Heimat dem Flachland näher bringen will, ist ehrenwert. Aber man ist nach dem Rundgang dann doch froh, dass er nicht Liechtensteiner ist.

Text © Manfred Wolff

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Swiss Made 2: Präzision und Wahnsinn.
Positionen der Schweizer Kunst von Holder bis Hirschhorn.
Kunstmuseum Wolfsburg
7.07. – 21.10.2007

Katalog
Swiss Made: Präzision und Wahnsinn.
Positionen der Schweizer Kunst von Holder bis Hirschhorn
180 Seiten, 135 Abbildungen, 105 farbig
Mit Beiträgen von Markus Brüderlin, Martin Heller,
Michael Gamper, Michael Schindhelm, Julia Wallner,
Max Wechsler, Beat Wyss
Hatje Cantz, 2007
ISBN: 978-3-7757-1962-9
Preis 35 €

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Weiter zum Text über die Ausstellung "Die schönsten Franzosen kommen aus Berlin. Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts aus dem Metropolitan Museum of Art, New York, 1.06. - 7.10.2007