Fliegende Bauten landen in der Brunnenstraße

Berlin, die Stadt, die nie ist und immerzu wird und dabei immer neue Inseln von Stilen gebiert, ohne je ein einheitliches Gesicht zu gewinnen, ist der ideale Ort des Abschlusses für das partizipatorische Kunstprojekt "Fliegende Bauten - Flying Buildings" von Käthe Wenzel. Hier wird heute abgerissen, was gestern scheinbar für die Ewigkeit gebaut wurde, morgen umgebaut und ergänzt, was heute als zeitlos schön gilt.

 

Fliegende Bauten von Käthe Wenzel sind im arttransponder Berlin gelandet. Foto © Manfred Wolff

Fliegende Bauten von Käthe Wenzel sind im arttransponder Berlin gelandet. 

Fliegende Bauten von Käthe Wenzel sind im arttransponder Berlin gelandet. Foto © Manfred Wolff

Fliegende Bauten von Käthe Wenzel sind im arttransponder Berlin gelandet.

Käthe Wenzel im arttransponder, 4.08.2006. Foto © Manfred Wolff

Käthe Wenzel im arttransponder, 4.08.2006. Foto © Manfred Wolff

  Netze der Erinnerung

Käthe Wenzel stellt die Architektur auf den Prüfstand: Ist sie ein Prozess des Werdens, der irgendwann in Starre verfällt oder muss man sie als einen Prozess der fortwährenden Veränderung verstehen, in dem mit immer neuen Beteiligten immer wieder neue Formen, Lösungen, Entwicklungen entstehen? Ihre Methode: sie knüpfte 15 Netze unterschiedlicher Größe aus Paketschnur und schickte diese, in kleinen Segeltuchtaschen, an Freunde und Kollegen in verschiedenen Ländern mit der Einladung, daraus einen Bau zu errichten und den Bauvorgang und das vorläufige Ergebnis zu dokumentieren. So entstand ein kollektives Kunstwerk, das allein in der Erinnerung lebt, denn selbstverständlich wurden die Netze wieder eingepackt und an den nächsten Empfänger gesandt, der nun seinerseits an Ort und Stelle entscheiden musste, was er wie damit macht.

Fliegende Bauten (ein partizipatorisches Kunstprojekt von Käthe Wenzel) in Bern. Repro: Manfred Wolff

Fliegende Bauten (ein partizipatorisches Kunstprojekt von Käthe Wenzel) in Bern. Repro: Manfred Wolff

  Meditativer Raum im Raum

Fliegende Bauten gab es so in Ungarn und in Holland, in der Schweiz, in Australien und Südafrika. Als Abschluss des Projekts zeigt Käthe Wenzel nun eine letzte Realisierung ihrer Arbeit im Projektraum arttransponder in Berlin. Während die vorauf gegangenen Projekte open air abliefen, ist nun ein meditativer Raum im Raum entstanden - eine weitere Alternative zu den Möglichkeiten des Projekts. Ergänzt wird dieser Bau durch Fotos, die bei den anderen Bauten entstanden. Ich hatte einfach Kunstwerke satt, die sich auf ihren Sockel zurücklehnen und sagen: "Sieh mich an, vielleicht erzähl ich Dir was über die Welt - wenn ich Lust habe", und der Künstler steht daneben wie jemand mit einer Standleitung zu Gott. Schließlich ist die Welt etwas, was grundsätzlich kollektiv produziert wird, über die Grenzen der Individuen, der Zeit und der Geographie hinweg, erklärt die 1972 in Aachen geborene Wahlberlinerin.

Text und Fotos © Manfred Wolff
Zusammenarbeit: Urszula Usakowska-Wolff

5.08.2006


Fliegende Bauten - Flying Buildings:
Ein partizipatorisches Kunstprojekt von Käthe Wenzel
5. 08. - 1. 09. 2006
arttransponder
Brunnenstraße 151
10115 Berlin


zu den Kunstnews

Weiter zum Text über die  Ausstellung: Meike Zopf "Mutter - Herzpumpe" Malerei im Artbuero Berlin Ltd. - Galerie, 17.06. - 22.07.2006