|
Fliegende
Bauten landen in der Brunnenstraße Berlin,
die Stadt, die nie ist und immerzu wird und dabei immer neue Inseln von
Stilen gebiert, ohne je ein einheitliches Gesicht zu gewinnen, ist der
ideale Ort des Abschlusses für das partizipatorische Kunstprojekt
"Fliegende Bauten - Flying Buildings" von Käthe Wenzel. Hier
wird heute abgerissen, was gestern scheinbar für die Ewigkeit gebaut
wurde, morgen umgebaut und ergänzt, was heute als zeitlos schön gilt.
Netze
der Erinnerung Käthe
Wenzel stellt die Architektur auf den Prüfstand: Ist sie ein Prozess
des Werdens, der irgendwann in Starre verfällt oder muss man sie als
einen Prozess der fortwährenden Veränderung verstehen, in dem mit
immer neuen Beteiligten immer wieder neue Formen, Lösungen,
Entwicklungen entstehen? Ihre Methode: sie knüpfte 15 Netze
unterschiedlicher Größe aus Paketschnur und schickte diese, in kleinen
Segeltuchtaschen, an Freunde und Kollegen in verschiedenen Ländern mit
der Einladung, daraus einen Bau zu errichten und den Bauvorgang und das
vorläufige Ergebnis zu dokumentieren. So entstand ein kollektives
Kunstwerk, das allein in der Erinnerung lebt, denn selbstverständlich
wurden die Netze wieder eingepackt und an den nächsten Empfänger
gesandt, der nun seinerseits an Ort und Stelle entscheiden musste, was
er wie damit macht.
Meditativer
Raum im Raum Fliegende Bauten gab es so in Ungarn und in Holland, in der Schweiz, in Australien und Südafrika. Als Abschluss des Projekts zeigt Käthe Wenzel nun eine letzte Realisierung ihrer Arbeit im Projektraum arttransponder in Berlin. Während die vorauf gegangenen Projekte open air abliefen, ist nun ein meditativer Raum im Raum entstanden - eine weitere Alternative zu den Möglichkeiten des Projekts. Ergänzt wird dieser Bau durch Fotos, die bei den anderen Bauten entstanden. Ich hatte einfach Kunstwerke satt, die sich auf ihren Sockel zurücklehnen und sagen: "Sieh mich an, vielleicht erzähl ich Dir was über die Welt - wenn ich Lust habe", und der Künstler steht daneben wie jemand mit einer Standleitung zu Gott. Schließlich ist die Welt etwas, was grundsätzlich kollektiv produziert wird, über die Grenzen der Individuen, der Zeit und der Geographie hinweg, erklärt die 1972 in Aachen geborene Wahlberlinerin. Text und Fotos © Manfred
Wolff 5.08.2006 Fliegende
Bauten - Flying Buildings: |