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Einblick
in den Zeitblick Obwohl das 13. Art Forum Berlin in diesem Jahr einen Monat später als gewohnt, und zwar vom 30. Oktober bis zum 3. November stattfand, lockte es auch diesmal Tausende von Besuchern und Journalisten in die Bundeshauptstadt: Ein willkommener Anlass für Museen und Institutionen, die sich der Kunst verschrieben haben, um ans Licht zu holen, was sonst den Augen des Publikums verborgen bleibt. Zum Beispiel einen Teil der Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland. Allein in den letzten zehn Jahren ist diese Sammlung um fast vierhundert Werke reicher geworden, aus denen die Kuratorin Dr. Annette Hüsch für die Ausstellung Zeitblick, im Martin-Gropius-Bau zu sehen, Arbeiten von fünfzig in Deutschland, vorwiegend in Berlin lebenden Künstlerinnen und Künstlern auswählte. In der in zehn Kapitel gegliederten Schau (Kunst über Kunst, Logik des Absurden, Lebenswelten, Rollenspiele, Deutschlandbilder, Gestaltung als Utopie, Innen und Außen, Raum im Raum, Farbkörper, Ästhetik des Flüchtigen) kann man vor allem Werke der mittleren und jüngeren Generation besichtigen: Fotografien, Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und Videos, also eine multimediale und multikulturelle Kunst, die einen Blick auf die Zeit und den Kunststandort Deutschland wirft. Vertreten sind arrivierte und anerkannte Künstlerinnen und Künstler (u.a. Isa Genzken, Katharina Grosse, Nairy Baghramian, Dieter Roth, George Brecht, Felix Droese, Olafur Eliasson, Peter Friedl, Jonathan Monk, Andreas Slominski, Thomas Struth) sowie auch solche, die erst am Anfang ihrer vielversprechenden Karriere stehen (u.a. Ulla von Brandenburg, Monika Brandmeier, Birgit Brenner, Jorinde Voigt, Axel Anklam, Thomas Locher, Michael Sailstorfer, Haegue Yang). Die Ausstellung Zeitblick wird in zehn Räumen neben dem zentralen Lichthof im Gropius-Bau präsentiert. Sie ist eine der wenigen Schauen in den Berliner Museen, die sich der zeitgenössischen Kunst aus Deutschland widmen. Und sie hat noch einen Vorteil: weil die Ankäufe der Kunstwerke aus Steuermittel finanziert werden, ist der Eintritt frei.
Repräsentative
Kunst aus Deutschland Die
Bundesrepublik Deutschland sammelt Kunst seit 1970, auf Initiative des
Bundeskanzlers Willy Brandt und des Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes
Georg Meistermann. Die Bundeskunstsammlung besteht heute aus über 1300
Kunstwerken, die von 21 Ankaufkommissionen ausgewählt wurden und einen
Schätzwert von 30 Millionen Euro haben. Die Sammlung ist ein repräsentativer
Querschnitt der Kunst, die in den letzten vierzig Jahren in der
Bundesrepublik entstand, seit dem Mauerfall wird auch Kunst aus
Ostdeutschland gesammelt. Der einzige bedeutende, in der Sammlung nicht
vertretene Künstler ist Anselm Kiefer. Als seine Werke noch
erschwinglich waren, hat man es versäumt, sie anzukaufen, heute hofft
man, bisher vergeblich, auf eine Schenkung des Künstlers. Für den
Ankauf von Werken stehen der Bundeskunstsammlung jährlich ca. 500.000
Euro (1971 waren es 250.000 DM) zur Verfügung. Für ihre Auswahl ist
eine Ankaufskommission zuständig, die alle drei Jahre vom Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien berufen wird. Die
Kommissionsmitglieder besuchen die Kunstmessen Art Basel, Art Forum
Berlin und Art Cologne und sprechen Empfehlungen für den Ankauf von
Kunstwerken aus, die sie in den Galerien vorbesichtigt haben. Die
Ankaufskommission, zu der gegenwärtig Anne-Marie
Bonnet, Universitätsprofessorin in Bonn, Hans-Jörg
Clement, Kulturleiter der Konrad
Adenauer Stiftung, Yilmaz
Dziewior, langjähriger Direktor des Hamburger
Kunstvereins, Ralph
Melcher, Museumsdirektor in Saarbrücken und Ingrid
Mössinger, Museumsdirektorin in Chemnitz gehören,
arbeitet ehrenamtlich. Sie ist in ihrer Wahl weitgehend frei, mit der
einzigen Vorgabe, beim Ankauf vorrangig Werke zu berücksichtigen, die für
die aktuelle zeitgenössische Kunst in Deutschland repräsentativ sind
und die weitere Entwicklung der Sammlung sicherstellen. Die
Kommissionsmitglieder kaufen keine deutsche Kunst, sondern Kunst aus
Deutschland an. Sie besuchen bewusst Galerien auf den Kunstmessen, und
keine Künstlerateliers, um keine Erwartungshaltung zu erzeugen und Enttäuschungen
zu vermeiden. Die Sammlung
Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland verfügt über
keinen festen Ort, an dem die Werke präsentiert werden können: Öffentliche
Institutionen, Ministerien, Botschaften, das Bundeskanzleramt, das
Bundespräsidialamt, aber auch zahlreiche kleinere und große Museen in
Deutschland sind die Leihnehmer der Exponate. 1982, 1989, 1995, 2003 und
2008 wurden Teile der Sammlung in Sonderausstellungen in Bonn und
Berlin, 2004 und 2007 auch im Ausland (Sankt Petersburg, Brüssel)
gezeigt. Zeitblick ist die
vorerst letzte Schau, die gegenwärtig im Berliner Gropius-Bau einen
Einblick in die Bundeskunstsammlung ermöglicht. Text
© Urszula
Usakowska-Wolff 15.12.2008 Zeitblick.
Ankäufe der Sammlung Zeitgenössischer Kunst Katalog |