Anekdoten und Mythen

Ein Regenbogen über der Auguststraße pünktlich zur Eröffnung der Ausstellung "Mutter - Herzpumpe" von Meike Zopf in der Galerie Artbuero Berlin war ein schönes Zeichen. Die Symbolhaftigkeit des Phänomens, die zarte Leuchtkraft der Farbe vor einem diffusen Himmel, der Moment des Erlebens und Wahrnehmens, die Zeitlosigkeit des Mythos, die deutliche Ortung und die Unortnung des Raumes finden sich wieder in den Arbeiten von Meike Zopf. Die 1972 in Berlin geborene Künstlerin lebt jetzt in Hannover. An der dortigen Fachhochschule war sie Meisterschülerin bei Prof. Verena Vernunft und Christian Riebe.

Meike Zopf vor ihrem Bild "Die verrückten Meister", 16.06.06, Artbuero Berlin. Foto © Manfred Wolff

Meike Zopf vor ihrem Bild "Die verrückten Meister", 16.06.06, Artbuero Berlin. Foto © Manfred Wolff

  Mutter, Mädchen, Madonna

Alle in der Ausstellung "Mutter - Herzpumpe" gezeigten Bilder sind mit Acryl auf Leinwand gemalt und geben die Schnelligkeit und Leichtigkeit wider, die diesem Medium eigen ist. So entstehen aquarellhafte Bildflächen, von schwebenden Blumenornamenten durchzogen, die immer wieder neue Räumlichkeiten aufscheinen lassen. Die eigentlichen Bildmotive addieren sich wie aus einem Skizzenbuch - scheinbar zufällig im Moment des Bildes zusammengetroffen, aber doch feste Größen in einem Drama, das ohne zeitliche Begrenzung abläuft. Die Personen der Handlung: die Mutter, das Mädchen, die Madonna, der Kruzifixus, der Mann.

Schutz und Bedrohung

Die Mutter nimmt ihre Rolle unsicher wahr, gebeugt, mit zurückgenommener linker Hand, selbst als Großmutter noch im Zweifel. Sie lebt aus dem Kontext der Assoziationen, die ihr Meike Zopf beigibt. Das Mädchen hat - noch - kein Gesicht. Es bleibt anonym, ein schneller Augenblick, beschützt durch einen Helm oder eine Art Atemmaske. Das Mädchen erscheint in Szenen, die den Titel "Idylle" tragen, anspielend auf die Bedrohtheit dieser zeitlosen Existenz des Augenblicks. Es erscheint immer wieder unter einem geflochtenen grünen Kranz (die Dornenkrone?) oder von ihm umgeben (die Mandorla, in der die Madonna erscheint?) Auch die Madonna bleibt gesichtslos. Sie schwebt gleichsam durch die Bilder, in ihrem schwarzen Mantel zugleich Schutz und Bedrohung - Gottesmutter und Erdmutter. Der Kruzifixus wird in den "verrückten Meistern" zitiert, überragt vom thronenden, lachenden Watts Quattara, sonst wird er nur angedeutet, mit den Wundmalen der Füße, quasi dem Bildgeschehen entrückt. Und der Mann? Er trampelt einmal durch die Schönheit, die das Mädchen gerade entdeckt hat, oder er steht skeptisch, ratlos dabei, wenn Großmutter und Mädchen ihren Weg gehen.

Meike Zopf erzählt ihre Anekdoten und Mythen lebendig und lässt den Betrachter die Aporie zwischen gesicherter Wahrnehmung und flüchtigem Erleben spüren. Selbst der Rückgriff auf religiöse Symbole vermittelt keine Gewissheit, weitet vielmehr die Verunsicherung und Spannung in das Metaphysische aus.

Text © Manfred Wolff
Zusammenarbeit: Urszula Usakowska-Wolff

17.06.2006  


Meike Zopf "Mutter - Herzpumpe" Malerei
17.06. - 22.07.2006
Artbuero Berlin Ltd. - Galerie


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