|
Anekdoten
und Mythen Ein
Regenbogen über der Auguststraße pünktlich zur Eröffnung der
Ausstellung "Mutter - Herzpumpe" von Meike Zopf in der Galerie
Artbuero Berlin war ein schönes Zeichen. Die Symbolhaftigkeit des Phänomens,
die zarte Leuchtkraft der Farbe vor einem diffusen Himmel, der Moment
des Erlebens und Wahrnehmens, die Zeitlosigkeit des Mythos, die
deutliche Ortung und die Unortnung des Raumes finden sich wieder in den
Arbeiten von Meike Zopf. Die 1972 in Berlin geborene Künstlerin lebt
jetzt in Hannover. An der dortigen Fachhochschule war sie Meisterschülerin
bei Prof. Verena Vernunft und Christian Riebe.
Mutter,
Mädchen, Madonna Alle
in der Ausstellung "Mutter - Herzpumpe" gezeigten Bilder sind
mit Acryl auf Leinwand gemalt und geben die Schnelligkeit und
Leichtigkeit wider, die diesem Medium eigen ist. So entstehen
aquarellhafte Bildflächen, von schwebenden Blumenornamenten durchzogen,
die immer wieder neue Räumlichkeiten aufscheinen lassen. Die
eigentlichen Bildmotive addieren sich wie aus einem Skizzenbuch -
scheinbar zufällig im Moment des Bildes zusammengetroffen, aber doch
feste Größen in einem Drama, das ohne zeitliche Begrenzung abläuft.
Die Personen der Handlung: die Mutter, das Mädchen, die Madonna, der
Kruzifixus, der Mann. Schutz
und Bedrohung Die
Mutter nimmt ihre Rolle unsicher wahr, gebeugt, mit zurückgenommener
linker Hand, selbst als Großmutter noch im Zweifel. Sie lebt aus dem
Kontext der Assoziationen, die ihr Meike Zopf beigibt. Das Mädchen hat
- noch - kein Gesicht. Es bleibt anonym, ein schneller Augenblick, beschützt
durch einen Helm oder eine Art Atemmaske. Das Mädchen erscheint in
Szenen, die den Titel "Idylle" tragen, anspielend auf die
Bedrohtheit dieser zeitlosen Existenz des Augenblicks. Es erscheint
immer wieder unter einem geflochtenen grünen Kranz (die Dornenkrone?)
oder von ihm umgeben (die Mandorla, in der die Madonna erscheint?) Auch
die Madonna bleibt gesichtslos. Sie schwebt gleichsam durch die Bilder,
in ihrem schwarzen Mantel zugleich Schutz und Bedrohung - Gottesmutter
und Erdmutter. Der Kruzifixus wird in den "verrückten
Meistern" zitiert, überragt vom thronenden, lachenden Watts
Quattara, sonst wird er nur angedeutet, mit den Wundmalen der Füße,
quasi dem Bildgeschehen entrückt. Und der Mann? Er trampelt einmal
durch die Schönheit, die das Mädchen gerade entdeckt hat, oder er
steht skeptisch, ratlos dabei, wenn Großmutter und Mädchen ihren Weg
gehen. Meike
Zopf erzählt ihre Anekdoten und Mythen lebendig und lässt den
Betrachter die Aporie zwischen gesicherter Wahrnehmung und flüchtigem
Erleben spüren. Selbst der Rückgriff auf religiöse Symbole vermittelt
keine Gewissheit, weitet vielmehr die Verunsicherung und Spannung in das
Metaphysische aus. Text
©
Manfred Wolff 17.06.2006 Meike Zopf "Mutter
- Herzpumpe" Malerei |